Kolumnen, Meine Frau sagt immer ...

Meine Frau sagt immer ... Weiber

Hechts Hilfe für Paare
Gerd Hecht

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Wenn Gerd Hecht von "Weibern" spricht, meint er lediglich eine Gruppe von Frauen. Seine Frau findet das abwertend. Seine Söhne altmodisch. Und er selbst ...?

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Meine Frau sagt immer ... Weiber

Wenn Gerd Hecht von "Weibern" spricht, meint er lediglich eine Gruppe von Frauen. Seine Frau findet das abwertend. Seine Söhne altmodisch. Und er selbst ...?

... jetzt hör doch mal auf immer „Weiber“ zu sagen“, weil manchmal sag ich das. Wenn man “Weiber“ sagt, ist das aber für meine Frau eine Abwertung der Frau. Für mich bezeichnet man damit eine Mehrzahl von Frauen und eine mögliche Abwertung liegt im Kontext und im Ton. „Männer“ oder „Jungs“ kann man schließlich auch mit einem abwertenden Unterton sagen, aber an sich ist das doch noch keine ... „Doch“, sagt meine Frau, „Weiber“ ist abwertend, da kannst du sagen was du willst!“.

Vielleicht liegt es ja daran, dass ich katholisch erzogen worden bin. „Gebenedeit bist du unter den Weibern ...“ habe ich als Bub und Jugendlicher mindestens zehn Millionen mal inbrünstig gebetet – ohne zu wissen was das eigentlich bedeutet. Außerdem habe ich familienbedingt einen einfachen bayerischen Kleinbürger/Bauernhintergrund und „Weiberleut“ oder „Weib“ waren ganz normale Bezeichnungen und auf dem sogenannten flachen Land ist das auch noch heute so. Es hat für mich auch ein bisschen was traditionelles, liebenswürdiges und erdiges ... “Jetzt komm mir nicht mit deinem Bayerngeschnulze“, sagt meine Frau, „das ist alles tausend Jahre her, die Zeiten haben sich geändert, ,Neger' war auch mal eine normale Bezeichnung und ist trotzdem abwertend und das ist ,Weiber' auch, also sag das nicht mehr!“

Ganz ohne Eigenlob kann ich von mir behaupten, dass ich mir seit den 70ern schon Gedanken über Frauenbefreiung (so hieß das damals wirklich noch) gemacht habe.

Ehrlich gesagt kränkt mich der autoritäre Ton meiner Frau und ich fühle mich in meinen guten Absichten missverstanden. Ganz ohne Eigenlob kann ich von mir behaupten, dass ich mir seit den 70ern schon Gedanken über Frauenbefreiung (so hieß das damals wirklich noch) und jede Form von offener und versteckter Misogynie Gedanken gemacht habe, früh schon in Männergruppen alle möglichen Geschlechtsverschlingungen reflektiert habe und jeden patriarchalen Restbestand in meinem Bewusstsein ausgemerzt habe. Dennoch bin ich oft genug an der Uni von engagierten Frauen als heimlicher Chauvi enttarnt worden, das war damals gar nicht zu vermeiden, weil in der allgemeinen Hysterie ... „Ich bin überhaupt nicht hysterisch“, sagt meine Frau, „ ich hab definitiv nix mit übertriebenem Feminismus zu tun, aber Abwertung ist Abwertung, also lass es!“.

Erneut fühle ich mich schlecht behandelt. Warum ziehe ich mir mit diesem harmlosen Wort immer wieder sprachpolizeiliche Ermittlungen zu? Wörter haben doch viele Bedeutungen. Angenommen ich möchte meiner Begeisterung über meine Frau Ausdruck verleihen und sie als Prachtweib oder Vollblutweib bezeichnen. Muss ich dann jetzt Vollblutfrau oder Prachtwesen sagen? „Rasseweib“ würde ja wegen „Rasse“ schon mal gar nicht gehen, und mit „Baby“ brauch ich es bei meiner Frau gar nicht versuchen. „Prinzessin“ ist beleidigend, „Königin“ zu schwülstig, „Beste“ zu funktional und „Schönste“ zu eingeschränkt aufs Äußere. Soll man denn jetzt gar nicht mehr über Frauen reden? Wie darf man sie denn überhaupt noch nennen?! Ich frag mal meine Jungs.

Papa, niemand sagt mehr ,Weiber'!

Mein Kleiner ist neun und er würde nicht „Weib“ sagen. Er würde immer „Frau“ sagen. „Weib“ findet er „oberbayerisch“, das heißt für ihn irgendwie provinziell oder veraltet. Da haben wir’s! Mein zarter Sohn ist schon abgetrennt von seinen historischen Wurzeln, das ist es doch genau was ich sage! Wenn wir alles vertraute, heimatliche plötzlich nicht mehr sagen und empfinden dürfen, wenn wir dauernd diese verdammte politisch-korrekte Sprachverbietung ... dann müssen wir uns nicht wundern, wenn die Nazis wieder ... „Jetzt mach mal halblang“, sagt meine Frau, „die Welt wird schon nicht untergehen, nur weil du ein Wort nicht mehr verwendest! Da brauchst du nicht gleich die Nazikeule auspacken!“.

Mein Älterer ist schon zwölf und aufgrund verschiedener Äußerungen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass auch er immer mehr mit der Frauenfrage konfrontiert ist. Er würde übrigens nicht Weib sagen. Nur so im Spaß vielleicht, aber eher nicht. „Und würdest du zu Mama ,Weib' sagen oder zu einer anderen Frau?“ Würde er nicht. Und warum nicht? Er lächelt mich beiläufig an: „Papa, niemand sagt mehr ,Weiber'. Wir sagen das alle nicht. Niemand sagt mehr ,Weiber', ok?“

Ich bin alt geworden. So einfach ist das.

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