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Familienpolitik

Jugendbeirat: Wir sind die Zukunft

von Jessica Suttner
29. Juni 2026

Jugendliche haben zukunftsweisende Ideen – man muss ihnen nur zuhören. Sidra und Rafael zeigen, wie sie im Jugendbeirat der Stadt Regensburg für echte Barrierefreiheit und gegen Rassismus kämpfen, und senden eine klare Botschaft an den neuen Stadtrat.

Wie seid Ihr dazu gekommen, Euch für den Jugendbeirat aufzustellen?

Rafael: Ich habe mich als Kind in Mini Regensburg schon für Engagement interessiert und bin dann über den Mini Regensburg Stadtrat zum Kinderbeirat gekommen. Außerdem bin ich auch an meiner Schule als Medientutor aktiv und helfe in der Bücherei und im Pausenverkauf mit. Mir hat jemand beim Kinderbeirat empfohlen, im Jugendbeirat weiterzumachen.

Sidra:  Ich habe mich vorher schon im Youngagement engagiert. Ich habe hier in einem Spieletreff für Menschen mit Behinderung mitgemacht. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Außerdem engagierte ich mich auch in der Schule in einer Mountainbike-AG und als Lerntutorin für jüngere Schüler. Als mir eine Lehrerin vom Jugendbeirat erzählte, dachte ich mir gleich, dass ich mich bewerben werde. Ich habe auch richtig viel Werbung gemacht und habe mich an anderen Schulen vorgestellt.

 

Sidra und Rafael

Warum? Was ist Eure Motivation für die Teilnahme im Jugendbeirat?

Sidra:  Mein Motto ist „Wir Jugendliche sind die Zukunft und die Zukunft liegt in der Politik.“ Ich finde es wichtig, dass wir uns einsetzen und beteiligen. Es gibt so viele junge Menschen, die sich nicht gut gesehen fühlen. Für sie möchte ich mich einsetzen und ein positives Vorbild sein. Wir sind alle wichtig.

Rafael: Ja, das hast du schön gesagt. Es ist einfach schön, alle Jugendlichen zu vertreten.

Wie läuft das denn dann ab? Wie oft trefft Ihr Euch?

Rafael: Wir treffen uns einmal im Monat im Plenum, immer freitags. Da gibt es eine Tagesordnung. Und die Oberbürgermeisterin, jetzt dann der neue Oberbürgermeister ist auch immer dabei.

Sidra: Außerdem haben wir verschiedene AG’s, in denen wir uns zusätzlich treffen, um über bestimmte Themen zu sprechen und neue Projekte zu entwickeln. Bei unserer Auftaktveranstaltung haben wir uns Ziele festgelegt und dafür verschiedene AG’s ausgesucht. Ich bin zum Beispiel in sehr vielen AG’s, weil ich mich für alles interessiere.

Rafael: Bei jeder Sitzung berichten die AG’s von ihren aktuellen Schwerpunkten. Außerdem berichtet der Oberbürgermeister auch von den wichtigen Entscheidungen im Stadtrat. Manchmal erzählen auch andere Gremien von ihrer Arbeit, zum Beispiel der Stadtjugendring. Oder es kommen Firmen, die fragen, ob wir bei einem Projekt mitmachen wollen.

Sidra: Die Sitzungen sind auch öffentlich. Sie finden im Sitzungssaal im Rathaus statt. Jeder kann kommen und zuhören.

 

Welche AG’s gibt es denn zum Beispiel?

Rafael: Es gibt die AG’s Barrierefreiheit, Infrastruktur, Gegen Rechts, Auslandsbeziehungen, Umwelt und Events. Da planen wir Jugendkonferenzen und andere Veranstaltungen. Dieses Jahr wird der Jugendbeirat 10 Jahre. Dafür planen wir die Jubiläumsparty.

Sidra: Dafür wurde eine Extra AG gegründet. Außerdem gibt es eine Galeria –für-alle-AG.

Wow, das sind ja viele Themenbereiche. Was besprecht und plant Ihr denn in den AG’S?

Sidra:  In der AG „Barrierefreiheit“ setzen wir uns für die Rechte für Menschen mit Behinderung ein. Das Thema interessiert mich sehr. Meine Schwester hat zum Beispiel auch eine Behinderung und ich wollte wissen, wie man am besten mit Menschen mit Handicap umgeht. Darum geht es auch in der AG. Es soll Räume geben, in denen sich Menschen mit Behinderung zeigen und treffen können. Das ist auch wichtig für den öffentlichen Raum. Man sieht wenige Menschen mit Behinderung, die selbständig in der Stadt unterwegs sind. Das soll sich verbessern.

Rafael: Wir waren letzte Woche auch bei einem Treffen, bei dem es um die Planung eines Inklusions-Spielplatzes ging. Da waren auch viele Kinder dabei, die ihre Ideen eingebracht haben. Das finde ich wichtig. Inklusion für alle. In der AG „Infrastruktur“ setzen wir uns außerdem für kostenlose Schülertickets im öffentlichen Verkehr ein. Das war auch mein Wahlmotto „Gratis Schülertickets für alle“. Wir haben auch geäußert, dass es bei Streiks wichtig ist, dass für die Schüler mitgedacht wird, wie sie bei einem Streik zur Schule kommen können.

Sidra: In der AG „Gegen Rechts“. Wir haben hier zum Beispiel Sticker entworfen. Sie sollen ohne Hass und ohne andere zu verletzen eine klare Botschaft gegen Rassismus setzen. Ich möchte nicht, dass sich so etwas wie damals das Ermächtigungsgesetz wiederholt. Wir dürfen uns alle frei äußern. Ich möchte, dass das so bleibt und dass man jeden akzeptiert.

Rafael: Wir sind zwar politisch neutral, also gehören keiner Partei an, aber wir sind alle gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung.

Nun wurde ja ein neuer Oberbürgermeister und neuer Stadtrat gewählt. Was wünscht Ihr Euch von ihnen?

Rafael: Mehr Geld für Schulen und Bildung. Es gibt so viele Schulen, die in einem schlechten Zustand sind. Aber auch Sportplätze im Freien, kostenlos, beispielsweise durch offene Schulhöfe.

Sidra:  Auf jeden Fall, dass der neue OB uns weiterhin so ernst nimmt, wie die Oberbürgermeisterin bisher. Er sollte unsere Fragen und Vorschläge nicht einfach gleich abwehren und ablehnen, sondern erst einmal nachfragen und versuchen, unsere Ideen umzusetzen.

Rafael: Wir haben schon das Busticket für alle angesprochen. Vor allem für Schüler:innen ab 15 Jahren ist es schwierig. Sie müssen den vollen Preis zahlen. Das ist bei geringem Taschengeld schwierig. Das kostenlose Ticket verhindert Schwarzfahren.

Sidra: Geld für Projekte und Jugendzentren. Es ist einfach wichtig, dass es Platz für Jugendliche gibt, um sich zu treffen und Kontakt zueinander aufzubauen. Gerade für Menschen mit Behinderung ist es nicht so leicht, sich zum Spielen zu treffen. Sie sollen sich angenommen fühlen.

Rafael: Dann haben wir noch das Projekt „Galeria für alle“ angefangen. Das Gebäude ist mitten in der Stadt und hätte so viel Platz. Unsere Idee wäre, es zu öffnen für alle Menschen. So könnte dort ein JUZ rein, aber auch ruhige Arbeitsplätze, an denen man auch lernen kann. Es wäre schön, wenn es so etwas wie einen Indoor-Spielplatz für Kinder und barrierefreie Räumlichkeiten dort gäbe.

Was sollte der neue Stadtrat und der neue OB auf keinen Fall tun?

Sidra: Er sollte auf jeden Fall nicht sofort unsere Ideen ablehnen. Es wäre nicht schön, wenn wir nicht ernst genommen werden. Was wäre dann der Sinn des Jugendbeirats?

Rafael: Dass Projekte und Einrichtungen wie JUZ, Mini Regensburg, W1 oder das Mehrgenerationenhaus gestrichen werden…

Sidra: Was auch nicht passieren sollte, ist, dass Beteiligungen von Kindern und Jugendlichen bei Spielplatzplanungen wegfallen. Das ist ein wichtiger Punkt.

Was ist das Beste am Jugendbeirat?

Sidra: Es ist einfach gut, ein Sprachrohr zu sein und die Stimme der Jugendlichen zu vertreten.

Rafael: Ja, es ist schön, sich zu engagieren und sich für andere einzusetzen.

Welche Tipps habt Ihr für andere Jugendliche?

Sidra: Sie sollen sich nicht wenig fühlen. Es ist wichtig, sich einzubringen und sich einzusetzen. Jeder hat ein Recht darauf, eigene Wünsche und auch Kritik zu äußern. Man kann auch sagen, eine Hand alleine klatscht nicht. Wir müssen zusammenhalten.

Rafael: Sie sollen sich bei uns melden. Wir hören uns sehr gerne ihre Fragen und Meinungen an und setzen uns dafür ein. Bestimmt haben andere Jugendliche viele Ideen, auf die wir im Jugendbeirat nicht kommen. Sie sollen einfach mal zu unseren Sitzungen kommen und sich das anhören.

 

AUF EINEN BLICK

Junge Politik

Youngagement wurde vom Stadtjugendring Regensburg und der FreiwilligenAgentur Regensburg gemeinsam entwickelt. Schüler:innen verschiedener Schul-Arten können sich seit 2005 ehrenamtlich engagieren und sich in gemeinnützigen Einrichtungen, Vereinen und Initiativen einbringen.

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Der Jugendbeirat ist ein Gremium aus 25 Jugendlichen. Sie werden alle 2 Jahre von Regensburger Jugendlichen gewählt und setzen sich für deren Interessen und Belange in der Stadt ein. Den Beirat gibt es seit dem Jahr 2016.

2027 wird neu gewählt. Bewerben können sich alle Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren, die seit mindestens 3 Monaten in Regensburg wohnen.

Website >

Der Stadtjugendring Regensburg (StjR) ist ein Zusammenschluss der Jugendverbände und Jugendorganisationen in der Stadt Regensburg. Sie vertreten die gemeinsamen Interessen der verbandlichen Jugendarbeit und Jugendarbeit und Jugendbildung für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Jugendleiter:innen an.

Website >

 

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