Eben noch gemütlich im Schlafanzug Legos gebaut, morgen schon wieder Schulwecker und Kita-Stress: Der Übergang nach den Sommerferien bringt jede Familie ins Schwitzen. Drei Regensburger Experten aus Praxis und Beratung verraten Dir, wie der Neustart ohne Familiencrash gelingt.
Das Ende des Sommers hat doch was Schönes. Mit unseren beiden älteren Kindern, 5 und 7 Jahre alt, genießen wir gerade, dass wir abends noch etwas spielen können und sie nicht, mit der tickenden Uhr im Nacken, aus dem Spiel reißen müssen, um sie auf den Punkt ins Bett zu bringen. Morgens kann unser Kleiner noch eine ganze Zeit im Schlafanzug durch die Wohnung laufen und kuscheln bis wir uns bereit machen, den Tag so richtig zu starten. Am Anfang der Ferien war das ganz anders, da hat es ein paar Tage gedauert, bis jeder wusste, was er mit der freien Zeit so machen soll: unsere fünfjährige Tochter ist noch früher aufgewacht als der Wecker sonst klingelt und hat noch vor dem Frühstück einen Plan für den Tag gefordert, während unser Sohn lieber mal in Ruhe Comic lesen und Legos bauen wollte…So sehr ich mir da das Ende der Ferien herbei gewünscht hatte, so sehr fürchte ich es jetzt. Schon morgens wird es herausfordernd: Aufstehen, Frühstück, Schule, Kindergarten und die Eingewöhnung des Jüngsten in der Kita, nachmittags dann Musikschule und Turnen und abends wieder Schlafengehen zu immer gleicher Zeit. Wie kann es uns gut gelingen, alle zusammen wieder in die Taktung des Alltags zu kommen? Sollen wir schon die letzten Ferientage in den alltäglichen Zeitplan eintauchen oder lieber bis zum letzten Moment die Freiheiten nutzen?
1Sanfter Übergang statt Kaltstart
Wer erinnert sich nicht gerne an die Sommerferien: Sechs Wochen Pause, Zeit, um die Seele baumeln zu lassen und wieder in den ganz eigenen Rhythmus zu finden. Wenn dann das Ende der Ferien naht, ist es nicht verwunderlich, dass es vor allem den Mamas und Papas mulmig zu Mute wird. Schließlich sind sie es, die die Kinder dann morgens wieder aus den Betten betteln und sie für die Schule und Kita motivieren müssen. Und dabei ist man doch selbst auch noch gar nicht wieder im Alltag angekommen. Deshalb habe ich mit meinen Kindern genau das gemacht, was Sie auch schon vorgeschlagen haben: Die letzten zwei, drei Tage der Ferien haben wir schon begonnen uns langsam wieder an den Rhythmus des Alltags zu gewöhnen. So sind wir abends wieder früher zu Bett gegangen und morgens habe ich die Kinder geweckt und mit ihnen schon vormittags etwas unternommen. Dann haben wir zum Beispiel die letzten Schulsachen oder eine neue Brotdose für die Kita besorgt oder uns mit Freunden zum Frühstücken verabredet. Damit fällt das erste Aufstehen vielleicht nicht ganz so schwer. Wenn dann das neue Schul-/Kitajahr wieder gestartet ist, rate ich unseren Eltern meist, den Rest des Alltags erst einmal ruhiger zu gestalten, also den Nachmittag lieber zuhause oder bei einer ruhigen Runde an der frischen Luft zu verbringen. Dann sind die Tage nicht gleich wieder so stark durchgetaktet. Vielleicht können Sie ja in ihrem Fall zum Beispiel mit dem Turnen und der Musikschule noch eine Woche warten? Oder den Kindern an den anderen Tagen auf jeden Fall genügend Zeit geben, um sich nachmittags noch eine kleine Auszeit zu nehmen.
Und ganz wichtig: Erinnern Sie ihre Kinder auch an die schönen Dinge, die im neuen Kita-/Schuljahr wieder passieren werden, allen voran, dass man seine Freunde wieder sehen wird.
2Sommer im Herzen, Chaos im Kopf
Was für eine wundervolle Sommerferienzeit! Ihre Kinder scheinen, ganz wie die Maus Frederick in Leo Lionnis Kinderbuch, jede Menge Farben, Sonnenstrahlen, Wörter und Eindrücke zu sammeln. Ein Schatz für die anstehende, dichte und leider bei uns in Regensburg mitunter auch neblig-graue Zeit. Gestalten Sie den Übergang mit Ihren Kindern gemeinsam und unterstützen Sie die drei dabei jeweils alters- und interessengerecht.
Wichtig scheint mir dabei zu sein: Die letzten Ferientage dürfen ruhig noch Ferien bleiben – zugleich können Sie bereits einzelne vertraute Strukturen zurückholen. Nutzen Sie dabei Bekanntes: Angepasste Schlafenszeiten, feste Mahlzeiten oder ein gemeinsamer Ausblick auf den nächsten Tag.
Frederick ist zunächst mit dem Unverständnis der anderen Mäuse konfrontiert. Doch das vermeintliche „Nichtstun“ ist nicht nur für Feldmäuse unglaublich wertvoll. Nicht die Ferienfreiheit ist das Problem, sondern der Übergang – geben Sie Ihren Kindern Zeit für die Umstellung. Ein wenig Müdigkeit, Widerstand oder Chaos gehören in den ersten Wochen dazu. Lassen Sie dabei, wo immer möglich, Spielraum und Luft im Familienkalender – so können die gesammelten Schätze wirken: In Erinnerungen, in Erzählungen, in Beziehungen oder wohlmöglich sogar, ganz wie bei Frederick, als Gedicht.
3Erst mal durchatmen
Der Übergang von den Sommerferien zurück in den Alltag gelingt jeder Familie anders. Manche finden schon einige Tage vorher zurück in den Rhythmus, andere kommen erst am Abend vor Schulbeginn aus dem Sommerurlaub zurück. Beides kann funktionieren. Aus meiner Erfahrung als Grundschullehrerin hat sich jedoch ein sanfter Übergang bewährt.
Ich empfehle Familien, den Urlaub einige Tage vor Schulbeginn zu beenden – mindestens aber das letzte Ferienwochenende bereits wieder zu Hause zu verbringen. So bleibt genügend Zeit, in Ruhe anzukommen, Koffer auszupacken, den Schulranzen vorzubereiten und sich Schritt für Schritt wieder an feste Schlafens- und Essenszeiten zu gewöhnen. Kinder spüren, wenn Erwachsene unter Zeitdruck stehen. Ein entspannter Start ohne Hektik erleichtert deshalb der ganzen Familie den Beginn des neuen Schuljahres.
Ebenso wichtig ist die Gestaltung der Ferien selbst. Die ersten zwei bis drei Wochen sollten Kinder wirklich frei haben, um neue Energie zu tanken. Danach darf das Gehirn wieder spielerisch gefordert werden – nicht mit Druck, sondern mit motivierenden Lernangeboten im Alltag: gemeinsam lesen, Gesellschaftsspiele spielen, beim Einkaufen rechnen oder ein Ferien-Tagebuch schreiben. So bleibt Lernen mit positiven Erfahrungen verbunden und der Wiedereinstieg in den Schulalltag fällt leichter.
Dabei ist es nicht nötig, dass Kinder sofort wieder in einen vollständig durchgetakteten Alltag zurückkehren. Sie brauchen nach den Ferien vor allem Ruhe, Sicherheit und Erwachsene, die ihnen einen
Titelbild gemalt von Klara (14)
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