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Leben, Lernen und Spielen

Wie viel Bildschirmzeit ist okay?

von Verena Riehl
16. März 2026

„Nur noch eine Folge!“, „Noch fünf Minuten!“ Wer kennt diese Szenen nicht? Das Thema Bildschirmzeit ist in fast jeder Familie ein Dauerbrenner. Die Zahlen aus der miniKIM-Studie 2023 zeigen, warum das Thema so brisant ist: Bereits jedes fünfte Kind zwischen zwei und fünf Jahren besitzt ein eigenes Tablet, jedes zehnte sogar ein Smartphone. Die durchschnittliche Nutzungsdauer aller Bewegtbildangebote wie Fernsehen, Netflix, YouTube und Mediatheken zusammengenommen liegt in dieser Altersgruppe inzwischen bei 67 Minuten pro Tag. Tendenz steigend.

Wie können wir als Eltern unsere Kinder in dem schier unübersichtlichen Dschungel zwischen Smartphones, Social Media und KI sicher begleiten, altersgerecht an Medien heranführen und vor Gefahren schützen? Dieses Mal geht es in unserer Themenreihe um die „Basics“: Was? Ab wann? Und wie viel ist zu viel?

Kein Wunder also, dass die Verunsicherung bei Eltern groß ist. Wie viel Bildschirmzeit verträgt mein Dreijähriger wirklich? Welche Apps sind für Vorschulkinder sinnvoll ? Und was mache ich, wenn beim Ausschalten jedes Mal ein Wutanfall droht? Gleichzeitig wissen wir: Medien komplett verbieten ist weder realistisch noch zeitgemäß. Unsere Kinder wachsen in einer digitalen Welt auf und auch wir Eltern sind ständig „online“. Die Frage ist also nicht ob, sondern wie unsere Kinder Medien nutzen und wie wir sie dabei begleiten können.

Christoph Simbeck kennt diese Fragestellungen aus seiner täglichen Arbeit. Er ist systemischer Therapeut und leitet bei neon – Prävention und Suchthilfe Rosenheim die Jugendberatungsstelle sowie den Bereich Prävention. Seit vielen Jahren begleitet er Familien bei Fragen rund um Medien, Konsum und Entwicklung. Im Interview gibt er klare, altersgerechte Empfehlungen für Kleinkinder, Kindergarten- und Grundschulkinder. Er erklärt, woran man gute Inhalte erkennt, wie man Regeln durchsetzt, ohne ständig zu diskutieren – und warum unser eigenes Verhalten dabei eine wesentliche Rolle spielt.

Wie wirkt sich Medienkonsum auf die Entwicklung von Kindern aus? Welche konkreten Empfehlungen geben Sie Eltern für die verschiedenen Altersgruppen?

Christoph Simbeck: Kinder sind aus entwicklungspsychologischer Sicht lange Zeit noch nicht in der Lage, Medien wirklich reflektiert zu nutzen. Erst mit Beginn der Pubertät entwickeln sie zunehmend die Fähigkeit, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen, Zusammenhänge einzuordnen und Konsequenzen abzuschätzen. Vorher fehlt dafür schlicht die notwendige Reife.

Viele Eltern verwechseln Medienkompetenz mit Klick- und Wischkompetenz. Nur weil ein Kind ein Smartphone bedienen kann, heißt das nicht, dass es damit auch mündig oder selbstreguliert umgehen kann.

Aus fachlicher Sicht empfehlen wir deshalb, Kleinkindern Smartphones möglichst gar nicht zur Verfügung zu stellen und auf Bildschirmzeit weitgehend zu verzichten. Auch im Kindergarten- und Grundschulalter sehen wir keinen wirklichen Mehrwert für Lernen oder Entwicklung. Kinder lernen in diesem Alter vor allem durch Bewegung, Erleben und echte Begegnung – nicht durch Bildschirme. Deshalb setzen wir uns hier als Fachstelle in Rosenheim gemeinsam mit den umliegenden Landkreisen im Rahmen des Projekts Medienbalance klar für smartphonefreie Kindergärten und Grundschulen ein.

Eine pauschale Zeitangabe ist schwierig, weil sie stark von der Reife des Kindes und den familiären Regeln abhängt. Als grobe Orientierung gilt: Wenn ein Kind ab etwa 10 Jahren Medien nutzt, kann man das Lebensalter ungefähr als wöchentliches Stundenkontingent an Bildschirmzeit heranziehen. Zusätzlich gibt es Richtwerte von Fachstellen wie dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), klicksafe.de oder schau-hin.info. Entscheidend ist aber immer der Rahmen, den Eltern setzen, und die begleitete Nutzung.

Nicht jede Bildschirmnutzung ist gleich, oder? Was unterscheidet gute von schlechter Mediennutzung? Worauf sollten Eltern bei der Auswahl von Apps, Sendungen oder Videos für die verschiedenen Altersgruppen achten?

Nein, nicht jede Bildschirmnutzung ist gleich. Entscheidend ist vor allem, was konsumiert wird und unter welchen Bedingungen. Für Eltern ist es wichtig, auf Altersfreigaben zu achten und die Inhalte der Apps, Sendungen oder Videos zu kennen. Viele Angebote sind zwar offiziell „für Kinder gemacht“, sollten aber trotzdem kritisch begleitet werden.

Auch bei Lernapps wie zum Beispiel der Anton-App ist Vorsicht geboten. Diese machen zwar Spaß und vermitteln Inhalte, arbeiten aber stark mit Gamification-Elementen und Belohnungssystemen. Lernen wird dabei häufig an Punkte, Levels oder äußere Anreize geknüpft. Das kann dazu führen, dass Kinder ein Stück ihrer eigenen, inneren Lernmotivation verlieren und Lernen zunehmend davon abhängt, ob es sich „lohnt“ oder belohnt wird.

Der Zugang zu sozialen Medien sollte im Kindesalter aus fachlicher Sicht komplett untersagt werden. Kinder sind mit den dortigen Inhalten, Dynamiken und dem ständigen Vergleichen schlicht überfordert. Das kann sich negativ auf ihr Selbstbild und ihren Selbstwert auswirken – Faktoren, die in meiner Arbeit in der Suchtberatung später eine große Rolle spielen.

Deshalb ist es wichtig, dass Eltern neugierig bleiben, sich selbst informieren und immer wieder hinterfragen: Was möchte ich für mein Kind? Welche Inhalte passen zu uns – und welche nicht? Gute Mediennutzung heißt nicht, alles freizugeben, sondern bewusst auszuwählen.

Braucht es einen Mediennutzungsvertrag (und ab wann)? Wie sind wir als Eltern gute Vorbilder?

Eine klare Empfehlung ist, das erste Smartphone nicht als eigenes Gerät zu übergeben, sondern zunächst als Leihgerät. Das erleichtert es Eltern, Regeln zu setzen und auch konsequent umzusetzen, weil die Verantwortung weiterhin klar bei den Erwachsenen liegt.

Ein ganz zentraler Punkt ist dabei die Vorbildrolle der Eltern. Das ist wirklich das A und O. Gerade beim Essen, wenn man sich als Familie über den Tag austauscht, hat das Smartphone nichts verloren – weder bei den Kindern noch bei den Erwachsenen. Für Kinder sind die Inhalte auf dem Smartphone emotional mindestens genauso wichtig, oft sogar wichtiger, als der vermeintlich wichtige Anruf aus der Arbeit oder von Kolleginnen und Kollegen. Deshalb braucht es hier eine klare und einheitliche Linie.

Zusätzlich empfehlen wir feste medienfreie Zeiten und Orte. Ein Smartphone hat bei Kindern weder am Schreibtisch noch am Nachttisch etwas verloren – also weder bei den Hausaufgaben noch als Wecker oder zum Einschlafen. Die Ablenkung ist hier einfach zu groß. Für die Weckfunktion oder die Uhrzeit reichen ein normaler Wecker oder eine Armbanduhr völlig aus. Feste Ablageorte zu Hause, zum Beispiel eine „Handy-Garage“, sowie klar definierte smartphonefreie Zeiten helfen, diese Regeln im Alltag gut umzusetzen.

Auch ein Mediennutzungsvertrag kann hier ein gutes Werkzeug sein. Wichtig ist aber, dass dieser Vertrag kein starres Regelwerk bleibt. Er sollte regelmäßig gemeinsam mit dem Kind besprochen werden: Was lief gut? Wo gab es Schwierigkeiten? Wo können Freiräume entstehen und wo müssen Regeln vielleicht auch verschärft werden?

Ganz entscheidend ist, dass sich Eltern vor der Aushändigung des ersten Smartphones gut und verbindlich absprechen, was in diesem Mediennutzungsvertrag stehen soll. Das gilt besonders in Trennungs- oder Patchworksituationen. Unterschiedliche Regeln in verschiedenen Haushalten führen schnell zu Konflikten und Verunsicherung beim Kind. Eine möglichst gemeinsame Linie gibt Orientierung und entlastet alle Beteiligten.

Wichtig ist außerdem, das Smartphone nicht dauerhaft als Druckmittel zu nutzen – also es nicht ständig als Belohnung oder Strafe einzusetzen. Ziel sollte es sein, den Fokus davon wegzunehmen und das Smartphone als das zu behandeln, was es sein sollte: ein Gebrauchsgegenstand mit klaren Regeln, aber ohne übermäßige Macht im Familienalltag.

Wutanfälle beim Ausschalten oder ständiges Betteln zerren an den Nerven aller. Welche Strategien helfen Eltern, Grenzen durchzusetzen? Und wie geht man mit Ausnahmesituationen um, etwa bei langen Autofahrten oder kranken Kindern?

Ausnahmesituationen sollten auch wirklich Ausnahmesituationen bleiben und nicht zur Regel werden. Gerade Kinder sind sehr gut darin, Schlupflöcher zu finden. Wenn Ausnahmen zu häufig werden, verlieren Regeln schnell ihre Wirkung.

Wichtig ist außerdem zu beachten, dass Kinder sich während der Mediennutzung oft in einem stark emotionalen Zustand befinden. Inhalte sind spannend, mitreißend und aufregend. Deshalb brauchen Kinder nach dem Ausschalten Zeit, um wieder „runterzukommen“, bevor sie direkt mit Anforderungen des Alltags konfrontiert werden. Ein zu abrupter Übergang führt häufig zu Frust und Wut – nicht aus Trotz, sondern aus Überforderung.

Kinder müssen aber auch lernen, mit Frust – wie zum Beispiel Enttäuschung oder Langeweile – umzugehen und diese auszuhalten. Das ist eine zentrale Entwicklungsaufgabe für das spätere Leben. Diese Fähigkeit entsteht nicht von selbst, sondern durch wiederholte Erfahrungen im Alltag.

Wenn Eltern den Widerstand ihres Kindes aushalten, akzeptieren, dass ihr Kind auch einmal unglücklich ist, und trotzdem bei klaren Grenzen bleiben, dann ist das kein Mangel an Liebe, sondern ein tiefer Ausdruck davon.

Am 10. Dezember 2025 trat in Australien ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Kraft. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Grundsätzlich finde ich es gut, dass diese Diskussion überhaupt geführt wird und dass hier etwas in Bewegung kommt. Gleichzeitig halte ich ein pauschales Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige für zu kurz gedacht. Die eigentliche Frage ist nicht Verbot oder nicht, sondern: Wie schützen wir Kinder wirksam in digitalen Räumen?

Und da bin ich klar: Kinder und jüngere Jugendliche – vor allem unter 14 Jahren – sind entwicklungsbedingt nicht in der Lage, Social Media selbstbestimmt und ohne Risiken zu nutzen.

Ein guter Vergleich ist der Straßenverkehr. Auch dort erwerben Menschen Kompetenzen schrittweise, werden begleitet und dürfen erst ab einem bestimmten Alter eigenständig teilnehmen. Übertragen auf den digitalen Raum heißt das für mich: Ein generelles Social-Media-Verbot ist wenig sinnvoll, wohl aber klare inhaltliche Regulierung und verbindliche Altersgrenzen.

Gleichzeitig muss man realistisch bleiben. Ein deutschlandweites Verbot einzelner Plattformen oder Apps ließe sich technisch kaum wirksam durchsetzen. Mit VPNs oder ähnlichen Umgehungsmöglichkeiten wären solche Verbote schnell ausgehebelt und hätten am Ende eher symbolischen Charakter. Davon würden vor allem technikaffine Jugendliche profitieren – die, die man eigentlich schützen will, aber nicht.

Wichtig ist mir auch: Altersverifikation darf nicht bedeuten, dass anonymes oder pseudonymes Surfen faktisch abgeschafft wird. Anonymität ist kein Randthema, sondern ein wichtiger Schutzraum – zum Beispiel für politische Meinungsäußerung, journalistische Recherche oder für Menschen in besonders vulnerablen Lebenslagen. Eine sinnvolle Regulierung muss Schutz ermöglichen, ohne pauschale Identitätsprüfungen zu erzwingen.

Kurz gesagt: Nicht Abschottung und Totalverbote sind der richtige Weg. Sinnvoll ist eine Kombination aus altersdifferenzierten Zugängen, klaren Inhaltsregeln, technischer Verantwortung der Plattformen und nachhaltiger Medienkompetenzförderung. Nur so lässt sich Schutz mit Freiheitsrechten in eine vernünftige Balance bringen – und nur so lassen wir Eltern mit dieser Aufgabe nicht allein.

Gibt es noch etwas, was Sie den Eltern in Sachen Mediennutzung gerne mitteilen würden?

Ein wichtiger Punkt ist mir noch: Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus. Viele fühlen sich mit dem Thema Mediennutzung zu Hause allein gelassen und schnell überfordert. Dabei haben andere Eltern ganz ähnliche Sorgen und Unsicherheiten. Das zu teilen, entlastet.

Wenn das Thema zu Hause sehr groß wird oder ständig zu Konflikten führt, sollte man sich nicht scheuen, Beratung oder digitales Coaching in Anspruch zu nehmen. Eltern müssen diese Aufgabe nicht allein bewältigen.

Wichtig ist außerdem, offen und in Beziehung zu den eigenen Kindern zu bleiben. Klare Grenzen sind dabei kein Widerspruch, sondern notwendig. Regeln sollten verständlich sein, Konsequenzen vorher angekündigt und dann auch eingehalten werden.

Auf Beziehungsebene sollte für Kinder immer spürbar bleiben: Ich lasse dich nicht allein. Du bist mir wichtig. Ich setze Grenzen, weil ich mich sorge und weil mir dein Wohlergehen am Herzen liegt.

Mehr Infos

Weiterführende Links & Quellen

Klicksafe >

Mediennutzungsvertrag >

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