Wer morgens vor der Kreuzschule unterwegs ist, kennt das mulmige Gefühl zwischen zweiter Reihe, Wendemanövern und durchschlüpfenden Kindern. Beim „Zukunftstag“ zeigte der Elternbeirat mit ADFC und VCD, wie es anders geht: Auto-Sperre rein, Kreide raus! Lies hier, wie der Nachmittag lief und wie wir den Schulweg auch an anderen Regensburger Schulen sicherer machen können.
Kinder, die auf der Straße vor ihrer Schule malen, spielen und ihr Umfeld selbst mitgestalten: Genau das war beim „Zukunftstag" an der Kreuzschule im alten Stadion in Regensburg Anfang Juli zu erleben. Organisiert hat den Aktionstag der Elternbeirat, gemeinsam mit den Fahrradverbänden VCD und ADFC, mit dem Ziel aufzuzeigen, wie der Raum vor der Schule sicherer und kinderfreundlicher werden könnte. Die Botschaft „We-niger Verkehr bedeutet mehr Sicherheit für unsere Kinder“ richtete sich an Eltern, die ihre Kinder täglich mit dem Auto zur Schule bringen, und an eine Stadtpolitik, die aus Sicht des Elternbeirats bisher zu wenig ge-handelt hat.
Das tägliche Konfliktfeld vor der Kreuzschule
Hintergrund der Aktion ist die angespannte Verkehrssituation in der Lessingstraße morgens und nach Schulschluss. Regelmäßig kommt es am Fahrrad-Schutzstreifen vor der Schule zu brenzligen Situationen durch Elterntaxis. Um die Haltebucht zu erreichen, kreuzen Autofahrende diesen Streifen oft, ohne auf Radfahrende zu achten. Hinzu kommen riskante Wendemanöver und Fahrzeuge, die mittags in zweiter Reihe auf dem Radweg parken. Diese Situation stellt nicht nur für viele Schüler:innen der Kreuzschule, sondern auch der umliegenden Schulen eine tägliche Herausforderung dar. Für zu Fuß gehende oder rollernde Kreuzschüler:innen ergeben sich auch am Fußgängerüberweg über die Lessing-straße herausfordernde Momente, da Autofahrer nicht selten über den Übergang fahren, ohne für die kreuzenden Kinder zu halten. Der Tempo-30-Bereich wird auch direkt vor der Schule nicht zuverlässig beachtet.
Der Elternbeirat hat die Stadt schon mehrfach auf diese Situation hingewiesen. Passiert ist bislang wenig: ein Warn-schild und rote Farbe für den Schutzstreifen. Beides hat die Lage nicht spürbar verbessert.
Ein bunter Nachmittag zeigte, was möglich wäre
Nach den wenig erfolgreichen Appellen wählte der Elternbeirat mit dem Zukunftstag einen neuen Weg. Statt Aufforde-rungen, Mahnungen und Kritik wollte er ein positives Zukunftsbild zeichnen. Er ließ die Lessingstraße mittags für den Autoverkehr sperren, damit Kinder, Eltern sowie Vertreter:innen aus Stadtpolitik und Verwaltung erleben konnten, wie sich der Raum vor der Schule ohne Autos anfühlt. Zum Schulschluss zeigte sich ein völlig anderes Bild als sonst: Kinder strömten auf die Straße, malten mit Kreide, spielten ausgelassen, fuhren mit Rädern und Rollern durch einen Parcours und überlegten gemeinsam, wie sie sich ihre Straße eigentlich wünschen. Auch Kinder, die sonst mit dem Auto gebracht werden, entdeckten, wie viel Platz zum Spielen bleibt, wenn keine Autos fahren.
Die Regensburger Kreisverbände des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) und des VCD (Verkehrsclub Deutsch-land) klärten vor Ort über Verkehrssicherheit und Alternativen zum Elterntaxi auf. Auch die Zweite Bürgermeisterin Dr. Helene Siegloch (Die Grünen), der Dritte Bürgermeister Thomas Thurow (Brücke), mehrere Stadtratsmitglieder und Vertreter:innen der Stadtverwaltung waren vor Ort. Nach knapp 1 ½ Stunden buntem Gewusel und anregenden Gesprä-chen war das schöne Wunschbild schnell wieder vorbei. Der Eindruck einer möglichen, veränderten Verkehrssituation wirkt hoffentlich bei allen Anwesenden nach.
Rückhalt aus Schule und Elternbeirat
Für den Elternbeirat war der Tag eine gelungene Aktion und ein deutliches Signal an die Stadt, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen und mutigere Entscheidungen nötig und möglich sind. Auch Rektorin Beate Müller unterstützte die Aktion: „Weniger Autoverkehr rund um unsere Schule bedeutet mehr Sicherheit für die Kinder, egal ob sie zu Fuß, mit dem Roller oder dem Rad kommen“, sagte sie und hofft auf ein Umdenken bei Eltern, die bislang aufs Auto setzen. Die Bilder der Kinder, wie sie sich die Straße vor der Schule wünschen würden, würden in der Eingangshalle der Schule ausgestellt.
Alternativen zum Elterntaxi
Was Eltern an anderen Schulen daraus mitnehmen können
Konkrete bauliche Veränderungen gibt es an der Kreuzschule noch nicht. Der Zukunftstag ist deshalb vor allem eines: ein Anfang, ein sichtbares Signal an Eltern und Stadtpolitik und der Auftakt für weitere Gespräche mit der Verwaltung. Ob daraus dauerhafte Lösungen wie Umbauten oder ein fester Laufbus werden, wird sich erst noch zeigen.
Trotzdem zeigt die Aktion, dass sich eine Schulgemeinschaft mit dem täglichen Verkehrschaos vor dem Schulhof nicht abfinden muss. Eine engagierte Gruppe kann etwas bewirken, mit kreativen Ideen und indem sie fachliche Expertise mit ins Boot holt. Der erste Schritt ist, das Thema sichtbar zu machen und ins Gespräch zu bringen.
Vielleicht ist die Verkehrssituation an Ihrer Schule ähnlich? Dann könnte ein eigener kleiner „Zukunftstag“, eine Laufbus-Probewoche oder auch nur ein offenes Gespräch im Elternbeirat ein erster Schritt sein.
Weitere Informationen zu Laufbus, Bicibus und Schulstraßen finden interessierte Elternbeiräte beim ADFC und VCD vor Ort. Die Verbände beraten und unterstützen gerne bei der Planung und Umsetzung von Aktionen zur Förderung der Schulwegsicherheit und des Radverkehrs.
Die Autorinnen Jessica Suttner aus dem Elternbeirat der Kreuzschule und Verena Riehl, Stellvertretende Vorsitzende des ADFC Regensburg, haben den Zukunftstag mitorganisiert und waren selbst vor Ort. Sie waren begeistert von den Ideen der Kinder, beispielsweise einfach einen bunten Zebrastreifen auf die Straße zu malen, wo sie sonst lange warten, um über die Straße zu gehen. Nachmachen empfehlen sie auf jeden Fall.
Wie Kinder den Aktionstag erlebt habe:
Emil: „Das war schön. Es waren viele Kinder da. Richtig cool war, dass man auf der Straße Roller fahren konnte.“
Tilli sagt: „Ich wünschte, es wäre immer so.“