Aus öffentlichen Autoparkplätzen wurden öffentliche Aufenthaltsorte für Menschen. Ein Bach und ein begrünter Park sollen folgen. Nur mit der Verkehrsberuhigung klappt es aktuell nicht so recht.
Über Jahrzehnte war die Obermünsterstraße eine der verkehrsreichsten Straßen der Regensburger Altstadt mit massivem Durchgangs- und Parkplatz-Suchverkehr. Dazu geparkte Fahrzeuge entlang beider Straßenseiten und auf den Gehsteigen abgestellte Fahrräder. Hier war überall viel Auto und kaum Aufenthaltsqualität für die Menschen im Viertel, für alle, die zu Fuß oder mit dem Rad in Geschäfte, Restaurants oder ihre Wohnungen wollten. Bereits ab den 1980er Jahren gab es daher umfangreiche Planungen zur Verkehrsberuhigung und „menschengerechten“ Umgestaltung. Mit dem Bau des Petersweg-Parkhauses 2014 etwa waren auch Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung geplant. Umgesetzt wurde dahingehend allerdings 40 Jahre lang – nichts. Bis dann im Herbst 2024 der Planungsausschuss des Stadtrats beschloss, dass nur noch Anwohner und berechtigte Anlieger in dringenden Fällen durchs Obermünsterviertel fahren dürfen. Und in naher Zukunft soll es dort nicht nur verkehrsberuhigt, sondern auch viel grüner und lebenswerter werden.
Die Verwandlung – das Viertel gewinnt durch umgesetzte „Sofortmaßnahmen“
Im darauffolgenden Sommer 2025 verwandelte sich die Obermünsterstraße. Öffentliche Parkplätze wurden gestrichen, an ihrer Stelle säumten innerhalb weniger Tage kleine Bäume in Holztrögen und bepflanzte Sitzinseln den Straßenrand. Eine Fahrradreparaturstation, Flächen für Leih-Lastenräder und E-Roller und eine „grüne Oase“ folgten. Die Zufahrt von Westen, aus der Oberen Bachgasse, wurde für Autos gesperrt. Wer in diesen Tagen dort zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs war, erlebte die Straße nun großzügiger, freundlicher und das von der Stadt propagierte „mehr Grün, mehr Lebensqualität“ und – kurzzeitig – auch „weniger Verkehr“. Verkehrsschilder, die darauf hinweisen, dass nur Berechtigte Einfahrt haben, wurden allerdings nicht angebracht. Mittlerweile ist daher vor Ort zu beobachten, dass der Parkplatz-Such- und Durchgangsverkehr wieder stark zugenommen hat.
Die umgesetzten Sofortmaßnahmen waren Teil eines sogenannten “Reallabors“. Sie sollten für alle im Viertel - unter möglichst realen Bedingungen - erlebbar machen, wie sich Verkehrsberuhigung, Begrünung, Aufenthaltsflächen etc. auswirken. Die Erfahrungen wurden dann in einer Online-Umfrage Ende des Jahres abgefragt, um in die weitere Planung einzufließen. Auch an anderen Stellen im Prozess war die Meinung der Bürger gefragt. Lange diskutiert und auch abgestimmt wurde etwa, ob die Anwohnerparkplätze am Obermünsterplatz bleiben sollen.
Neugestaltung ab 2028 – Park und Bach statt Parkplatz
Nun wurde Anfang Februar die umfangreiche Neugestaltung von Obermünsterstraße und Obermünsterplatz vom Planungsausschuss des Stadtrats einstimmig beschlossen. 2028 soll es damit losgehen. Geplant ist ein Bachlauf, der „Vitus-Spielbach“ mit Trittsteinen, Staubereichen und Wasserspielelementen für Kinder. Die Obermünsterstraße soll barrierefrei werden, Bordsteine entfallen, das Pflaster wird erneuert, dort, wo möglich, werden Flächen entsiegelt. Und auf dem Obermünsterplatz soll aus dem aktuell versiegelten Anwohnerparkplatz ein „Pocket-Park“ werden – mit Bäumen, Grünflächen, Brunnen und Sitzgelegenheiten. Etwa 8,6 Millionen Euro wurden für die Umsetzung der Maßnahmen veranschlagt.
Bis es soweit ist, sorgen die realisierten Sofortmaßnahmen für eine spürbare Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Obermünsterstraße. Um diese zu sichern, muss allerdings zwingend endlich auch die bereits beschlossene Verkehrsplanung umgesetzt werden.
Mit der umfangreichen Neugestaltung ab 2028 könnte dann aus dem bisher verkehrsgeplagten Obermünsterviertel – mit Bäumen, Grünflächen, Brunnen und Wasserlauf – ein klimaresilientes, zukunftsfähiges Regensburger Altstadt-Quartier entstehen.