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Leben

Unser Jahr mit Au-Pair

von Teresa Kutzner
19. Oktober 2026

Familie Eichinger hat sich Verstärkung geholt: Ein Jahr lang wohnte Christina aus Guatemala bei ihnen. Im ehrlichen Dreier-Interview erzählen Mama Sophia, der 7-jährige Valentin und Christina, wie aus der Übersetzungs-App beim Frühstück, Kultur-Schocks im Schnee und dem Kampf mit Behörden ein echtes Familien-Team wurde.

Wer kennt das nicht? Es ist 7:15 Uhr, das Kita-Kind vermisst seinen linken Schuh, das Schulkind sucht den Sportbeutel, der Kaffee wird kalt – und man selbst müsste eigentlich auch längst fertig sein. Genau in diesen Randzeiten am Morgen und späten Nachmittag geraten wir Eltern regelmäßig an unsere Belastungsgrenzen.

Familie Eichinger aus Regensburg hat vor einem Jahr eine mutige Entscheidung getroffen: Sie hat ihr Zuhause für ein Au Pair geöffnet. Christina kam aus dem fernen Guatemala zu ihnen – ohne Deutschkenntnisse, aber mit viel Neugier.

Für elternzeitung.de hat Teresa Kutzner nachgefragt: Wie fühlt sich das eigentlich an, wenn plötzlich eine fremde Person mit am Frühstückstisch sitzt?

Valentin (7 Jahre): „Manchmal lagen die Sachen woanders – aber das Eis war super!“

Wie war für Dich der Alltag mit Christina als Au Pair?

Valentin: Es war eigentlich gut. Wir hatten immer jemand zum Spielen und wir hatten immer ein gut aufgeräumtes Zimmer, nur manchmal lagen Sachen woanders 😊
Eigentlich bestand unsere Familie im letzten Jahr aus 6 Mitgliedern. Und weil wir eine Person mehr waren, war der Alltag auch nicht so stressig.

Was war denn besonders gut an der Zeit?

Ich habe von Christina zum Geburtstag bekommen, dass wir zu Zweit einen Ausflug in die Stadt machen und einen Eisbecher essen. Das war toll.

Wie habt Ihr denn miteinander gesprochen?

Am Anfang habe ich Christina manchmal nicht verstanden oder wusste nicht, was sie meint. Das wurde mit der Zeit besser. Jetzt kann Christina alles in Deutsch sagen und ich kann ein paar Wörter in Englisch. Am Telefon sagt sie immer „si, si“ – das ist spanisch und bedeutet „ja, ja“.

Familie Eichinger mit Christina

Christina (Au Pair): „Der erste deutsche Schnee war wunderschön – aber auch ganz schön einsam“

Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Christina: Ich habe Freunde und Bekannte im Umfeld, die als Au Pair im Ausland waren. Diese Erfahrung wollte ich auch gerne machen. Mit einer anderen Familie zu leben, in einer anderen Kultur zu leben und eine Sprache im Alltag zu lernen, das hat mich gereizt. Über die Plattform aupair.world habe ich dann Sophia und Andreas gefunden und mit ihnen Kontakt aufgenommen. Wir haben auch einige Male telefoniert. Ich habe vieles gefragt, zum Beispiel, was die Kinder gerne spielen, was ihre Lieblingsfarben sind, und sowas. Ich habe auch ein bisschen Deutsch gelernt vorher, aber das Lernen hat dann erst vor Ort gut funktioniert. Im Alltag habe ich die Sprache ja dann gebraucht, um mit den Kindern sprechen zu können.

Wie war der Start im September?

Auch wenn wir vorher telefoniert haben, war ich sehr aufgeregt und gespannt, wie es wohl werden wird. Ich habe auch erst vor Ort realisiert, dass ich jetzt wirklich für ein Jahr hier bin. Die Reise war lang und ich war total erschöpft. Ich war sehr nervös vor dem Treffen mit den Kindern. Ich habe einen Sitzplatz mit Namensschild bekommen und es wurde extra ein Essen vorbereitet, die Kinder haben mich angestarrt, und ich war so müde von dem Jetlag. Dann habe ich erstmal fast 24 Stunden durch geschlafen. In den nächsten Tagen haben wir gemeinsame Spaziergänge in die Umgebung unternommen, die Gegend erkundet, die Straßen und Parks. Da noch Sommerferien waren, haben wir auch gemeinsam einige Ausflüge unternommen, um uns besser kennenzulernen. Diese Zeit war wie eine Eingewöhnung. Außerdem hatten wir gemeinsam einige Wege zu Behörden und Ämtern zu erledigen.

Wie lief das Jahr als au Pair? Welche Herausforderungen und welche schönen Momente hast du erlebt?

Das letzte Jahr hier war voller Abenteuer und Erlebnissen. Ich habe viel gelernt, viel von den Kindern gelernt, vor allem auch die Sprache. Ich bin sehr glücklich darüber, hier zu sein. Eine große Herausforderung für mich waren die Jahreszeiten. Ich hatte noch nie vorher Schnee gesehen oder sowas wie Winter erlebt.  Das fand ich auf eine Art schön, aber auch schwierig. Es war sehr kalt, drückend und auch schwieriger, Kontakte zu knüpfen. Ich habe tolle Ort gesehen, schöne Ausflüge gemacht, war viel in der Natur und habe Teile von Deutschland gesehen, die sonst für Touristen schwer zu finden sind. Dazu habe ich viele Leute kennengelernt und durfte meine Freiheit erleben. Ich bin alleine hier, kann mich frei bewegen, bin selbstständig.Das zu Lernen ist schön. Am Wochenende habe ich immer 1 ½ freie Tage, an denen ich etwas für mich alleine machen kann. Manchmal ist es aber schwer, genau in dieser Zeit etwas zu unternehmen.

Ich fand sehr schön zu sehen, wie gleich und doch unterschiedlich die drei Kinder hier sind. Jedes Kind ist für sich selbstständig und frei in der Entwicklung, das habe ich auch manchmal deutlich zu spüren bekommen. Zum Beispiel habe ich mir eine Aktion überlegt, aber die Kinder wollten gar nicht. Das ist natürlich schade, aber auch in Ordnung, wenn ihnen etwas anderes gerade lieber ist. Außerdem steckt natürlich auch jedes Kind in einer anderen Aufgabe, so wie zum Beispiel Simon im September gerade mit der Schule begonnen hat und hier sein erstes Jahr durchlaufen hat. Mit Julian war es auch immer wieder herausfordernd, wenn ich abends aufgepasst habe und er aufgewacht ist und stark geweint hat. So hat eben auch jedes Kind einen anderen Entwicklungsstand und andere Themen. Aber das habe ich nie persönlich genommen, sondern einfach geschaut, wie ich begleiten kann.

Wie hat die Kommunikation im Alltag geklappt?

Eine Sprache im Alltag mit Kindern zu lernen ist super, denn der Nutzen ist sofort klar. Trotzdem ist die Kommunikation dadurch manchmal auch schwierig. Gerade am Anfang habe ich eine Handyübersetzung genutzt, die Kinder haben gewartet, dann konntet wir uns verständigen. Später fanden sie es auch manchmal lustig, haben sich einen Spaß draus gemacht oder fanden meinen Wort-Verwechslungen witzig. Ich habe mal gesagt „Ich komme gleich, ich muss noch ins Klos“ – das fanden sie natürlich total lustig. Trotzdem ist es insgesamt mit den Kindern zusammen leichter, weil sich unsere Sprache eigentlich gemeinsam entwickelt hat. Mit Valentin war es auch einfacher, da er das Medium Handy als Übersetzung gut nutzen konnte. Für Julian, den jüngsten, war es schwieriger. Er ist ja selbst dabei die Sprache voll zu lernen und war manchmal frustriert, weil er etwas 3x gesagt hat und ich es immer noch nicht verstanden habe. Das hat sich auch für mich blöd angefühlt und ich konnte seinen Ärger verstehen.

Hintergrund

Wichtige Links und infos

Voraussetzungen:

  • Mind. 1 Zimmer vor Ort, Bad kann auch geteilt sein
  • Vertrag mit Au Pair, Gehalt, Beteiligung Sprachkurs, Versicherung

Wichtige Links und Infos:

  • Vermittlung über Suchplattform aupair.world oder Au Pair-Agenturen
  • Viele Informationen auf der Seite des Auswärtigen Amtes (Deutschland) zu finden
  • https://www.guetegemeinschaft-aupair.de/de/



 

Sophia (Mama): „Ein A1-Sprachzertifikat ist im echten Leben fast gar nichts!“

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Sophia: Als ich ein Kind war, hatten wir auch immer wieder Au Pairs, bestimmt 6 oder 7. Die meisten kamen aus Norwegen. Später war ich dann auch selbst als Au Pair für ein Jahr in Boston. Für mich ist das also ein vertrautes System. In unserem Alltag fehlt uns vor allem Unterstützung zu den Randzeiten. Vor allem morgens, wenn alle gleichzeitig losmüssen, brauchen wir eine dritte Person. Jetzt merke ich, dass ich viele weitere Aufgaben schnell im Alltag eingeschoben habe, die nun Christina übernommen hat. Das entlastet mich und gibt mir etwas Zeit für mich und uns.

Wie finde ich ein passendes Au Pair? Was ist zu beachten?

Es gibt Agenturen, die Au Pairs vermitteln und viele organisatorische Schritte übernehmen. Diese kosten eine Vermittlungsgebühr, dafür gibt es zu jedem Zeitpunkt eine Ansprechperson über die Agentur. Wir haben Christina über die Plattform aupair.world gefunden. Das ist quasi eine Suchplattform, in der sich Au Pairs selbst ein Profil anlegen können und wir als Familie auch. Christina hat uns dann angeschrieben, wir haben auch noch viele weitere Anfragen bekommen.

Zu Beginn haben wir oft geschrieben, Informationen ausgetauscht, Fragen gestellt und auch telefoniert. Es gab viel zu Organisieren. Dann musste Christina auf die Botschaft in Guatemala. Dafür hatten wir Formulare vorbereitet und Christina hatte auch viele Nachweise zu erbringen, unter anderem musste sie ein A1 Sprachniveau vorweisen oder vor Ort einen Test machen. In Deutschland gibt es über das Auswärtige Amt viele Informationen und Regeln zu Au Pairs, das erleichtert den Prozess enorm, aber es müssen auch einige Regeln eingehalten werden.

Christina hat bei uns einen festen Vertrag, das Gehalt und die Arbeitsstunden werden genau festgelegt, auch die freien Zeiten. Wir müssen sie versichern und uns an einem Sprachkurs vor Ort beteiligen. Sobald das Visum da war, konnte Christina den Flug buchen.

Wie lief das letzte Jahr mit eurer Au Pair ab?

Das letzte Jahr mit Christina zusammen lief gut. Wir haben sie als Unterstützung und Hilfe wahrgenommen, sie Aufgaben übernommen wie das Mittagessen zu kochen, Kinder abzuholen oder zu Kindergarten und Schule zu fahren, hat die Küche aufgeräumt, die Wäsche der Kinder gemacht und Zeit zum Spielen mit den Kindern gehabt. Wir haben gleich zu Beginn einen gemeinsamen Kalender gestartet und sonst viele Aufgaben abgesprochen. Gerade für den Anfang braucht es Zeit für die Eingewöhnung, Zeit um den Alltag kennenzulernen und auch sie näher kennenlernen. Wir haben geschaut, welche Aufgaben sie gerne macht, wie es ihr mit den Kindern geht und an welcher Stelle ihre Unterstützung sinnvoll ist.

Uns hat es auf jeden Fall so gut getan, dass wir uns für das kommende Bildungsjahr um ein weiteres Au Pair bemühen.

Was habt ihr euch leichter vorgestellt? Was war unkomplizierter als gedacht?

Ich habe gedacht, dass wir schon ein bisschen kommunizieren können, aber ein Sprachniveau von A1 ist eigentlich fast gar nichts. Wir hatten zum Glück nach einer Person gesucht, die auch Englisch spricht, daher konnten wir uns dann darüber unterhalten. Trotzdem ist vieles nicht sofort klar oder verständlich und bedarf extra Zeit zur Erklärung. Manchmal habe ich im Nachhinein gemerkt, dass sie es gar nicht verstanden hatte, was wir besprochen haben. Zeitaufwendig war auch die Einarbeitung, das Zeigen, Einführen, Mitnehmen und Begleiten. Wir saßen oft abends noch zusammen und haben uns auch um sie gekümmert. Das alles hat circa 2 Monate gedauert. Auch die Unterschiede in der Kultur sind uns stärker aufgefallen. Vieles, was für uns selbstverständlich und normal ist, war Christina fremd. Wir haben hier andere Freiheiten und ein anderes Leben. Unsere Kultur war ja eigentlich erstmal fremd für sie.

Auf der anderen Seite war Christina total flexibel, hat alles mitgemacht und uns so viel Spielraum und Möglichkeiten in unserem Alltag gegeben.

Für wen ich das Modell geeignet? Was muss unbedingt gegeben sein?

Ein eigenes Zimmer ist notwendig, ein Bad kann auch geteilt werden. Dazu ist eine generelle Offenheit von unserer Seite aus notwendig, denn da wohnt einfach für ein Jahr eine zunächst fremde Person mit im Haus. Sie ist fast immer mit dabei, bei Ausflügen, Familienfesten, aber auch in stressigen Situationen oder bei Streitereien. Für uns auch war auch wichtig, vorab ein paar Dinge abzufragen. Wir haben uns vorab überlegt, ob religiöse Menschen zu uns passen, wir haben politische Einstellungen angesprochen und eine offene und ehrliche Kommunikation von uns aus eingebracht.

Auch finanzielle und logistische Aspekte müssen bedacht werden. Für den Transport der Kinder ist vielleicht ein extra Gefährt notwendig, wir haben uns zum Beispiel ein extra Lastenrad gekauft.

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