Großeltern, Institutionen und Organisationen

Klimarezepte: Es braucht eine Dafür-Lobby

von Cornelia Wabra

Ständige Negativmeldungen blockieren uns nur. Dabei wissen wir aus der Kindererziehung: Es braucht positive Vorbilder, die Mut machen. Die Omas und Opas for Future Regensburg zeigen, welche gelingenden Klimaprojekte es direkt vor Deiner Haustür gibt und wie wir gemeinsam die Zukunft unserer Kindeskinder sichern.

Neulich waren Harald Lesch und das Wiener Merlin Ensemble mit „Vier Jahreszeiten im Klimawandel“ im Audimax zu Gast. Ausverkauftes Haus. 1300 Leute haben durchschnittlich 70 Euro/Person bezahlt, um sich dieses nicht ganz leichte Thema mit Musik anzuhören, den Mahnungen & Folgerungen von Herrn Lesch zu lauschen. Trotz niederschmetternder aktueller Fakten zum Klimawandel, mich hat die Resonanz eher aufgebaut.

Was lese ich zwei Tage später in der MZ? „… Standing Ovations. Kurz danach schieben sich die großen schweren Autos der Besucher in langen Kolonnen aus der Universität. Auch das gehört zur bitteren Wahrheit“. Damit war das Engagement zum Klimawandel diskreditiert. Schaut her, die meinen es doch selbst nicht ernst. Was ist der Effekt bei den Lesern? - „Ihr braucht eh nix machen, selbst die, die sich fürs Klima interessieren, ziehen nicht die notwendigen Konsequenzen“. PS: vielleicht liegt das an der nach Konzerten sehr spärlichen ÖPNV-Anbindung? Überhaupt werden bevorzugt negative Meldungen in der Presse verbreitet. Plakativ und polemisch werden der Abbau von Parkplätzen mit Insolvenzen in der Innenstadt zum „politischen Totalversagen“ hochstilisiert.

Dabei wissen wir doch alle aus eigener Erfahrung und aus der Kindererziehung: Negative Botschaften ziehen runter, wir legen die Hände in den Schoß und sagen: kann man nix machen und schau, die Umweltaktivisten sind auch nicht besser, sie fahren Auto, fliegen und essen Fleisch.

Gelingende Geschichten aus Regensburg

Fakt ist, Vorbilder und positive Beispiele bauen auf und animieren zum Mitmachen. Warum erzählen unsere politisch Verantwortlichen und unsere Medien viel zu wenig gelingende Geschichten, die es ja auch in Regensburg gibt: Das Konzept „Altstadt verkehrsberuhigt“ wurde vom Stadtrat genehmigt, befindet sich in der Umsetzung und wurde vom VCD mit dem „Goldenen Bruckmandl“ ausgezeichnet. Der RVV hat zunehmend mehr Elektrobusse, „Feine Räder“ aus Regensburg gestaltet Mobilität neu und hat eine Ausschreibung für Lastenräder der Stadt Wien gewonnen. BERR – die Bürger-Energie Region Regensburg eG beliefert die Global Player im Stadtosten mit Solarenergie. Die IG Gesunder Boden e.V. mit Sitz in Regensburg engagiert sich vor allem im land- und forstwirtschaftlichen Sektor für den Aufbau eines gesunden, lebendigen und humusreichen Bodens als Basis für die Gesundheit von Luft, Wasser, Pflanzen, Tieren und Menschen. In der Innenstadt braucht es gegen Hitze und Trockenheit neue Bäume. Wie wäre es, Fachleute der Stadtverwaltung eruieren mal, wo das möglich ist und beginnen mit der Pflanzung? Das Beispiel München macht es vor. Wie wäre es mit einer Rubrik in der Zeitung, die die Bürger über gelingende Konzepte für Städte informiert und Lust macht auf Regensburg 2035? Da käme dann nämlich zum Beispiel raus: der Einzelhandel profitiert von verkehrsberuhigten Städten. Es wäre nützlich, die Realität des Klimawandels anzunehmen, uns darauf vorzubereiten, was kommt und Lösungen zu zeigen und die Bürger*innen mitzunehmen in die Veränderung. Darum appellieren Umwelt- und Klimagruppen an die kommende Stadtregierung, einen Umwelt- und Klimabeirat einzurichten.

Gemeinsam handeln für die Zukunft unserer Kinder

Die wichtigen Stützpfeiler einer gelingenden Zukunftsorientierung sind: Akzeptanz der Realität des Klimawandels vor Ort, das Vertrauen in vorhandene und kommende Lösungen (die es gibt, siehe: Prof. Dr. Michael Sterner: So retten wir das Klima, München 2023) Selbstwirksamkeit „was kann ich tun“ zu praktizieren und Unterstützung zu suchen, gemeinsam handeln für unser Regensburg der Zukunft. Wir wissen, was zu tun ist, wir haben die Möglichkeiten, wir müssen es mutig anpacken, wenn wir die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder sichern wollen.

„Statt darüber zu klagen, was alles schiefgehen kann, müssen wir handeln, damit es nicht schiefgeht“ Florence Gaub, Politikwissenschaftlerin und Forschungsdirektorin der Nato- Militärakademie in Rom, SZ 4./5./6. April 2026.

Interessante Literatur zum Thema, bei der ich etwas gespickt habe: Verena Rivera: Kindheit am Kipppunkt – Wie wir unsere Kinder stärken, die Zukunft gestalten und im Alltag Halt finden, Claus Verlag GmbH, Februar 2026