Was brauchen unsere Kinder und Enkel für ein gutes Leben? Die Regensburger Omas und Opas for Future zeigen, wie gelebte Familienliebe und praktischer Klimaschutz zusammengehören. Ein persönlicher Blick darauf, warum Engagement für eine nachhaltige Zukunft heute wichtiger ist denn je – und wie wir alle in Regensburg dazu beitragen können.
Kürzlich ist mein fünftes Enkelkind auf die Welt gekommen. Noch ganz frisch und mit großen Augen schaut das Buberl in die Welt. Welch ein Glück, es auf dem Arm zu halten. Welch ein Glück, mit den Enkelkindern Stunden und Tage zu verbringen, mit ihnen zu lachen und zu spielen, sie zu trösten, sie aufwachsen zu sehen. In welcher Welt werden sie einmal leben? Was wir alles passieren – Gutes wie Schlimmes? Ich werde nur einen kleinen Teil davon mitbekommen.
Als ich 1953 geboren wurde waren der Zweite Weltkrieg und die Nazidiktatur gerade mal acht Jahre vorbei. Mein Vater war als Soldat und Bombenentschärfer im Krieg, meine Mutter evakuiert, ihre Elternhäuser im Rheinland zerbombt. Was sie erlebt haben in dieser schrecklichen Zeit, davon weiß ich fast nichts. Ich hatte wohl eine glückliche Kindheit, meine Eltern hatten es so kurz nach dem Krieg schnell zu Wohlstand gebracht, es gibt Fotos von ausgelassenen Feiern mit fröhlich dreinblickenden Dreißigjährigen. Sie hatten den Krieg miterlebt! Als ich zur Schule ging war die Straße vom Dorf runter in die Stadt nicht geteert, sondern Schotter. Heute ist vieles versiegelt und zugebaut, unterwegs orientiere ich mich via Internet am Handy. Welch eine enorme, damals unvorstellbare Entwicklung. Trotz aller Krisen und Konflikte – wir konnten bis heute in Deutschland in Frieden, wirtschaftlichem Wohlstand und sozialer Sicherheit leben. Wird das so bleiben? Die aktuellen Entwicklungen sind bedrohlich und existentiell. Klimakrise, Erstarkung des Nationalismus, zunehmende Bereitschaft, Konflikte mit Gewalt auszutragen, Egoismus, Gefahren für unsere Demokratie, Armut und Existenzangst – was wird wohl sein? „ Que sera sera, whatever will be, will be, future is not ours to see, what will be, will be” (gesungen von Doris Day 1955 im Film “Der Mann, der zuviel wußte”)
Warum wir jetzt handeln müssen – für unsere Kinder und Enkel
Fakt ist, es gibt sie, die gelingende Geschichten. Von Städten, Dörfern, Ländern mit Lebensqualität für die Menschen. Wir sind erstmalig in der Lage CO2 neutral zu leben, so dass sich die Erde nicht weiter aufheizt. Wir haben das Wissen und die Technik dazu. Wir müssen es wollen. Wir wissen, welche Ernährung für uns die gesündeste ist und mit der auch noch alle Menschen satt werden – und das, ohne die Erde zu zerstören. Wir brauchen Verhaltensänderungen und einen sehr zügigen Umbau unserer Städte und Dörfer, und unserer Wirtschaft. Dazu gehört ebenso ein Umdenken in der Politik, in der Verkehrs-, Agrar- und Stadtplanung. Die Vertikalen Bäume in Mailand haben mich beispielsweise sehr beeindruckt. Oder der Ausbau für den Fahrradverkehr in Paris. Und es gibt auch Pioniere in Regensburg: der innovative Regensburger Unternehmer Sebastian Schels sagt dem Klimawandel den Kampf an und plant nachhaltig gebaute Supermärkte mit viel Holz und Grün (MZ vom 14.10.2025).
Ein gelingendes Beispiel: Das Ozonloch Ende der Achtziger Jahre. 1987 hatten sich die UN auf ein Ende der Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verständigt, weil sie die Ozonschicht schädigen. Diese Schicht schützt die Erde vor ultravioletter Strahlung der Sonne. Die Ozonschicht ist derzeit auf einem guten Weg, sich zu erholen, das Ozonloch ist wesentlich geschrumpft. Und damit die Gefahr für Hautkrebs. Wo eine Einsicht in die Wissenschaft, wo ein Wille, da ein Weg. Und ist die Wirtschaft daran zu Grunde gegangen? Nein, sie hat sich Alternativen überlegt. Und genau das ist auch angesichts der notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel und für eine CO2 neutrale Zukunft notwendig.
Aus Liebe zum Leben und unseren Kindern
Umgestaltung von Städten, für die kleinen und großen Bewohnerinnen und Bewohner. Heute war ich auf dem Wochenmarkt am Bismarckplatz, die Schlange beim Fischhändler stand bis über die Gesandtenstraße hinein. Immer wieder mussten wir Autos zur Durchfahrt ausweichen. Warum gibt es immer noch keine Poller, eine autofreie Innenstadt für die Menschen? Ok, man müsste die Durchfahrt erschweren, verbieten. Ja und, im Straßenverkehr akzeptieren wir doch auch sinnvolle Verbote, wir sind doch keine Geisterfahrer.
Wir Omas und Opas handeln aus Liebe zum Leben, zu unseren Kindern und Enkelkindern. Wir nehmen Bundeskanzler Friedrich Merz beim Wort, wenn er als Motivation für sein politisches Handeln seine Kinder und Enkelkinder anführt. „Ich denke sehr stark durch die Augen und die Ohren meiner Kinder und Enkelkinder“ (SZ 11.10.2025). Nur gemeinsam gestalten wir die Zukunft.