Astrid Freudenstein, langjährige Bürgermeisterin, erklärt, warum sie Oberbürgermeisterin werden möchte und wie sie Regensburg familienfreundlicher gestalten will. Ein Schwerpunkt: das neue JUZ Königswiesen, Chill-Out-Zonen an der Donau und attraktive Angebote in allen Stadtteilen.
Deswegen möchte ich Regensburger Oberbürgermeister*in werden…
Astrid Freudenstein: Ich bin seit fast sechs Jahren Bürgermeisterin, kenne mich also im Rathaus gut aus, und will jetzt Oberbürgermeisterin werden, um noch viel, viel mehr für die Menschen in Regensburg bewegen zu können.
Kinder und Jugendliche sind für mich ….
… Zukunft und Zuversicht. Sie sind oft ehrlicher als Erwachsene und auf jeden Fall für vieles viel aufgeschlossener und offener.
Regensburg erhielt 2022 die Auszeichnung „kinderfreundliche Kommune". Wo bzw. was ist an Regensburg aus Ihrer Sicht besonders kinderfreundlich? Und wie wollen Sie dafür sorgen, dass die Stadt diesen Titel auch in Zukunft behält?
Die Stadt Regensburg hat die Auszeichnung „Kinderfreundliche Kommune“ im Jahr 2015 erhalten - 2025 konnten wir schon 10-jähriges Jubiläum feiern! Bei der Feier im Mehrgenerationenhaus wurden die Anstrengungen der Stadt Regensburg vom überregionalen Bündnis besonders gewürdigt, worüber ich mich sehr gefreut habe. Auch wurde das Sigel „Kinderfreundliche Kommune“ nach 10 Jahren entfristet, was ein besonderer Erfolg ist. Es zeigt, dass wir die UN-Kinderrechtskonvention und auch die weiteren vier Schwerpunkte des Programms in Regensburg gut umsetzen: 1. Vorrang des Kindeswohls 2. Kinderfreundliche Rahmenbedingungen 3. Beteiligung von Kindern und Jugendlichen 4. Recht auf Information und Monitoring. Wir haben mit mehreren Aktionsplänen in den vergangenen 10 Jahren gezeigt, dass wir eine kinderfreundliche Stadt sind. Der Jahresbeitrag zum überregionalen Bündnis in Höhe von 2.500 Euro steht auch für die Zukunft zur Verfügung. Das Programm wird in der Stadtverwaltung kontinuierlich von einem Beirat begleitet, in dem mehrere Ämter vertreten sind. Das Sigel ist seit 2025 entfristet.
Was ist geplant, um die Lebens- und Freizeitqualität für Kinder und Familien weiter zu steigern? Führen Sie uns gerne durch drei verschiedene Viertel. Sagen Sie uns für jeden dieser drei Stadtteile was Sie gerne umsetzen möchten, wann soll die Umsetzung geschehen und was kostet es?
Siehe Antwort 9 sowie das alljährliche Spielplatzprogramm der Stadt Regensburg!
Nur wenige gastronomische Angebote in Regensburg sind familienfreundlich.
Es gibt kaum mehr Familiencafés mit Spielbereichen für Kinder, Räume ganz ohne Konsumzwang sind noch seltener und bei schlechtem Wetter bleibt wenig Angebot übrig.
Wenn Sie an einem Regentag mit Ihrem Kind in Regensburg unterwegs wären, wo würden Sie hingehen? Welche konkreten städtischen Anreize (z. B. Mietzuschüsse, Zwischennutzung, schnellere Genehmigungen) wollen Sie einführen, um solche Orte zu fördern?
Regentage sind Büchertage! Ich rate zu einem Ausflug in unsere städtischen Büchereien. Da haben Kinder viel Spaß. Auch unsere beiden Hallenbäder, das Westbad und das neue Ostbad, sind tolle Ausflugsziele für Familien. Das Museum der Bayerischen Geschichte ist für größere Kinder wirklich gut. Eislaufen in der Donau-Arena macht Kindern übrigens auch großen Spaß - bei meinem Sohn war das jedenfalls so. Wir haben in Stadtamhof das Schreiberhaus geschaffen, das man auch als Familie günstig mieten kann. Unsere städtischen Freizeitstätten können ebenfalls privat gebucht werden. Einige städtische Räume können sehr günstig zum Beispiel von Elterngruppen belegt werden.
Wie kann die Stadt bezahlbaren Wohnraum für Familien schaffen? Familien mit drei oder mehr Kindern finden kaum bezahlbare Wohnungen.
Wie viele familiengerechte Wohnungen (4+ Zimmer) sollen unter Ihrer Führung pro Jahr entstehen?
Was tun Sie, damit große Familien nicht aus Regensburg wegziehen müssen?
Der Neubau von Wohnraum ist in Regensburg in den letzten Jahren fast zum Erliegen gekommen, und das liegt leider ganz stark an hausgemachten Vorschriften der Stadt. Wir haben inzwischen eine wirklich akute Wohnungsnot und müssen politisch endlich darauf reagieren. Auch bei der städtischen Stadtbau GmbH ist in den letzten Jahren kaum gebaut worden, das muss sich wieder ändern. Die 40-Prozent-Quote im Regensburger Baulandmodell war ursprünglich ein sinnvolles Instrument, inzwischen zeigt sich aber, dass diese starre Vorgabe in der Praxis zum Stillstand führt. In Regensburg liegen Wohnbauvorhaben auf Eis, weil sie aufgrund unserer eigenen Vorgaben derzeit nicht realisierbar sind. Wie andere Städte auch, sollte Regensburg das Instrument flexibilisieren, um wieder Wohnungsbau in notwendigem Umfang zu ermöglichen. Neubau ist und bleibt das effektivste Mittel, um das Problem von Wohnraummangel und überhöhten Mieten in den Griff zu bekommen. Aber durch immer mehr Vorschriften bereits im Genehmigungsverfahren ist Bauen in Deutschland teuer, langwierig und kompliziert geworden. Bund und Land haben jetzt reagiert und Ende Oktober den so genannten „Bau Turbo“ beschlossen. Diese Erleichterungen des Gesetzgebers im Baurecht werden wir auf kommunaler Ebene umsetzen und nutzen, um wieder mehr Wohnungsbau zu ermöglichen.
Elterntaxis, fehlende Radwege, Stress im Straßenverkehr – ein Dauerthema. Nennen Sie drei konkrete Maßnahmen zur Verkehrssicherheit für Kinder, die Sie bis 2030 gerne umsetzen möchten. (z.B. Tempo 30 vor Schule X, Schulstraße an Straße Y, geschützter Radweg Z)
Wie viel Prozent des Verkehrsbudgets fließen in Rad- und Fußverkehr?
Wie schaffen Sie mehr Platz für Kinderwägen im ÖPNV?
Ich würde mir wünschen, dass Eltern im eigenen Interesse und im Interesse der Kinder grundsätzlich nicht mit dem Auto vor die Schule fahren. Kinder werden auch viel selbständiger und selbstbewusster, wenn sie wenigstens ein Stück Schulweg selbst zurücklegen. Ich finde es auch wichtig, dass Kinder früh Radfahren lernen und dann auch selbst mit dem Rad zur Schule fahren. Dazu könnte ich mir zusätzliche Aktionen gut vorstellen. Der Ausbau des Radwegenetzes folgt einer klaren Beschlusslage des Stadtrats: Insgesamt sind in Regensburg derzeit rund 22 von 168 Kilometern fertiggestellt, weitere 27 Kilometer befinden sich im Bau und knapp 8 Kilometer sind für eine kurzfristige Umsetzung bis 2027 vorgesehen. Für Kinderwagen ist ebenso wie für Rollstuhlfahrer und Rollatoren Platz in Bussen vorgesehen. Eine Garantie, dass dieser Platz immer frei ist, kann es leider nicht geben.
Was möchten Sie für unsere Schulen tun?
Welche Schulen haben aus Ihrer Sicht den dringendsten Sanierungsbedarf – und bis wann wollen Sie diese sanieren? Wie setzen Sie den Ausbau der Ganztagsbetreuung und den kommenden Rechtsanspruch bis 2029 um? Welche Maßnahmen planen Sie für sichere Schulwege, z. B. an der Kreuzschule?
Die Berufsschule III hat den dringendsten Sanierungsbedarf. Der Neubau muss jetzt zügig kommen. Der Ausbau der Ganztagesbetreuung für Schulkinder verläuft planmäßig. Wir gehen davon aus, dass der Rechtsanspruch regulär erfüllt werden wird. Das haben wir übrigens auch bei der Betreuung der kleineren Kinder geschafft - bisher gab es keine einzige erfolgreiche Klage von Eltern in Regensburg. Auch für die Kreuzschule gilt, dass Eltern ihre Kinder nicht mit dem Auto vor die Schule fahren sollten.
Für Jugendliche gibt es nur wenige Angebote in Regensburg, um sich im öffentlichen Raum treffen zu können. Sie brauchen Plätze, ohne dass diese sofort nach Lärmbeschwerden geschlossen werden. Aktuell ist das Freizeitgelände beim JUZ Arena und der Bauspielplatz gefährdet.
Welche neuen Treffpunkte für Jugendliche planen Sie – und wo konkret?
Wie wollen Sie Konflikte zwischen Anwohner:innen und Jugendlichen moderieren?
Wie schützen Sie bestehende Jugend- und Freizeiteinrichtungen wie den Bauspielplatz dauerhaft?
Der Erhalt des Bauspielplatzes und des Freizeitgeländes beim JUZ Arena liegt mir sehr am Herzen, und es ist uns zumindest 2025 gelungen, eine Lösung zu finden. Ob in der Vergangenheit bei der Bebauung des Kasernengeländes Fehler hinsichtlich der Lärmbemessung passiert sind, bezweifle ich. Konkret werden wir das derzeit sich im Neubau befindliche JUZ Königswiesen im Jahr 2026 eröffnen, bei dem auch die Außenflächen deutlich aufgewertet werden. Ich freue mich sehr, dass der Stadtrat die Mittel für den dringend notwendigen Neubau des Jugendzentrums bewilligt hat - rund 8 Millionen Euro Wir haben für Jugendliche in diesem Jahr, 2025, außerdem eine Jugendfreizeitfläche an der Donau in der östlichen Altstadt eröffnet - zunächst eine Parkouranlage. Es folgen 2026 großzügige Chill-Out-Zonen sowie Baumpflanzungen. Die Anlage im Marina Quartier ist in ihrer Art ein Novum in Regensburg - Kostenpunkt rund 620.000 Euro. Wir sind derzeit außerdem mit dem Neubau der Jugendfreizeitanlage Burgweinting Nordwest II beschäftigt. Neben dem neuen Archivgebäude entsteht erstmals in der Stadt Regensburg eine Freizeitareal für Jugendliche, das nicht nah an Wohnbebauung liegt und deshalb auch für kleinere Kulturveranstaltungen abends genutzt werden kann. Entsprechende Einrichtungen sind vorgesehen. Zielgruppe sind hier Teenager und junge Erwachsene. Die Kosten für die neue Jugendfreizeitanlage in Burgweinting belaufen sich auf fast 400.000 Euro, für die der Stadtrat freundlicherweise grünes Licht gegeben hatte.
Die Kita-Kosten steigen jährlich. Wir als Träger von Kitas kämpfen mit den stetig steigenden Kosten. Welche Unterstützung ist geplant?
Es ist richtig, die Träger sind unter Druck. Der Freistaat Bayern wird noch deutlich mehr Mittel für die Kinderbetreuung zur Verfügung stellen, so dass die Gebühren für die Eltern niedrig bleiben. Rund ein Drittel der Eltern ist in der Stadt Regensburg ohnehin von Gebührenzahlungen freigestellt, weil sie es finanziell nicht stemmen können. Für alle anderen Eltern bin ich übrigens der Meinung, dass die KiTa-Gebühren vernünftig angepasst werden müssten.
Familienarmut & soziale Unterstützung: Wie wollen Sie Kinder aus einkommensschwachen Familien besser unterstützen? Welche Maßnahmen planen Sie, um Teilhabe unabhängig vom Geldbeutel zu ermöglichen?
In der Stadt Regensburg scheitert es nicht am Geld, wenn ein Kind in einen Sportverein gehen will oder Musikunterricht bekommen soll. Es gibt das Bildungs- und Teilhabepaket, das leider längst nicht von allen Eltern, die Anspruch hätten, in Anspruch genommen wird. Dafür ist mein Amt für Jugend und Familie der richtige Ansprechpartner. Und auch darüber hinaus hätten wir über die städtischen Stiftungen die Möglichkeit, einkommensschwache Familien im Einzelfall zu unterstützen. Wir haben für sozial Schwächere den Stadtpass eingeführt, und für Kinder den Ferienpass, die sehr günstig Zugang zum ÖPNV und zu Freizeitangeboten gewährleisten. Unsere Ferienangebote sind übrigens auch nicht teuer und für Kinder aus sozial schwachen Familien ganz kostenlos. Das Programm bauen wir kontinuierlich aus.
Was möchten Sie den Familien in Regensburg noch sagen?
Danke, liebe Eltern, für alle guten Nerven, für manche durchwachte Nacht und für die Zukunft, die Sie mit Ihren Kindern für Regensburg bringen!