Familienpolitik

Thomas Thurow (Die Brücke): Mehr Mut für sichere Wege und echte Kinderbeteiligung

von Regensburger Eltern

Thomas Thurow setzt eigene Schwerpunkte: verbindliche Kinder- und Jugendbeteiligung in der Quartiersplanung, mehr Mut zu Tempo 30 an Schulwegen und ein klarer Schutz bestehender Jugendorte wie des Bauspielplatzes. Zudem will er Stiftungsmittel leichter zugänglich machen, um Familien unbürokratisch zu unterstützen.

Deswegen möchte ich Regensburger Oberbürgermeister*in werden…

Thomas Thurow: … weil wieder mehr voran gehen muss in unserer schönen Stadt. Regensburg hat ein ungeheuer großes Potenzial. Aber um dieses auszuschöpfen, braucht es frische Ideen und die Lust und den Mut, Ent-scheidungen zu treffen. Ich habe in meinen Jahren im Stadtrat und im Engagement in vielen Vereinen, viel über die Bedürfnisse der Regensburgerinnen und Regensburger gelernt und traue mir zu, hier einen Weg vorzugeben, der auf einen großen Konsens trifft und die Stadtgesellschaft so wieder enger zusam-menführt.

Kinder und Jugendliche sind für mich ….

… unsere Zukunft und damit unser Kompass. Wenn wir unsere Stadt für unsere Kinder denken, können wir nur richtig liegen.

Regensburg erhielt 2022 die Auszeichnung „kinderfreundliche Kommune". Wo bzw. was ist an Regensburg aus Ihrer Sicht besonders kinderfreundlich? Und wie wollen Sie dafür sorgen, dass die Stadt diesen Titel auch in Zukunft behält?

Wir machen schon einige Dinge richtig und das wird mit diesem Qualitätssiegel bekräftigt. Zum Beispiel sind wir im Bereich Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) vielen anderen Kommunen in Bayern weit vo-raus. Wir investieren hier auf freiwilliger Basis Geld und darauf können wir sehr stolz sein. Der Bildungsbe-reich war im Investitionsprogramm in den letzten Jahren auch immer der größte Posten und auch das ist gut so. Nichtsdestotrotz gibt es immer auch Verbesserungsbedarf. Wir brauchen zum Beispiel mehr KiTa-Plätze im Altstadtbereich. Der Vorstoß eine KiTa auf dem Dach des Dachauplatz-Parkhauses zu errichten ist deshalb umzusetzen. Außerdem gefällt es mir nicht, dass wir uns noch immer davor drücken, bestimm-te Straßen auf Tempo 30 zu reduzieren, gerade wenn dort viele Schulkinder unterwegs sind, wie im Un-terislinger Weg. Da sucht die Verwaltung meines Erachtens eher nach Gründen, wieso es nicht geht und das muss sich ändern. Kinder und Jugendliche sollen künftig stärker in Prozesse der Quartiersentwick-lung und der Gestaltung ihres Lebensraums – also der Nachbarschaft, des Viertels und des Stadtteils – eingebunden werden. Bereits bestehende Formate wie der Jugendbeirat oder JUPS (Jugendpartizipation im Stadtteil) bieten dafür eine gute Grundlage. Deshalb schlage ich die Entwicklung einer „Initiative zur Kinderbeteiligung“ vor.

Was ist geplant, um die Lebens- und Freizeitqualität für Kinder und Familien weiter zu steigern? Führen Sie uns gerne durch drei verschiedene Viertel. Sagen Sie uns für jeden dieser drei Stadtteile was Sie gerne umsetzen möchten, wann soll die Umsetzung geschehen und was kostet es?

Im Kasernenviertel ist ganz viel Wandel zu beobachten und dort wurden und werden viele Projekte zur Verbesserung der Lebens- und Freizeitqualität umgesetzt. Die PLK mit dem Sportpark Ost ist gerade das bekannteste Beispiel für die Entwicklung eines neuen Innovationsquartier für grünes, soziales und inno-vatives Leben. Hier wurden Flächen für Bildungseinrichtungen, genügend Grün und Freiflächen für Kin-der und Jugendliche schon mitgedacht. Jedoch ist aus meiner Sicht gar nicht immer nötig, explizit für einzelne Gruppen, in dem Fall für Familien und Kinder, zu planen. Es geht auch um Begegnungsorte für Jung und Alt. Wenn wir eine Umgestaltung des öffentlichen Raums ernst nehmen und den Straßenraum neu ordnen, dann können dort neue Flächen zum Aufenthalt entstehen. Hier nenne ich die von mir un-terstützte Initiative des Vereins Kultur am Regen in Reinhausen, die überdimensionierten Verkehrsflä-chen in der Donaustaufer Str. zu reduzieren. Ihre Detailfrage zu den drei Stadtteilen und den Kosten kann ich, wenn man ehrlich bleibt, nicht beantworten. Zur Ermittlung des Bedarfs verweise ich auf die Antwort zu Frage 3.

Nur wenige gastronomische Angebote in Regensburg sind familienfreundlich. Es gibt kaum mehr Familiencafés mit Spielbereichen für Kinder, Räume ganz ohne Konsumzwang sind noch seltener und bei schlechtem Wetter bleibt wenig Angebot übrig.
Wenn Sie an einem Regentag mit Ihrem Kind in Regensburg unterwegs wären, wo würden Sie hingehen? Welche konkreten städtischen Anreize (z. B. Mietzuschüsse, Zwischennutzung, schnellere Genehmigungen) wollen Sie einführen, um solche Orte zu fördern?

Da benennen sie leider eine Tatsache, auf die wir als Stadt nur bedingt Einfluss nehmen können. Wir haben keinen direkten Einfluss auf die Preisgestaltung gastronomischer Angebote. Ich bin aber offen und ehrlich im Umgang mit Vorschlägen in diese Richtung. Vielleicht könnten wir als Stadt beispielsweise einen Preis für die Familienfreundlichkeit von Cafés ausloben? Was das Thema Zwischennutzung angeht, bin ich sowieso für sehr Vieles offen und ich will, dass die Stadt hier eine stärkere Vermittlerrolle übernimmt. Wenn dann spannende Initiativen aus der Gesellschaft kommen, können wir über allerlei Förderungen sprechen. Ich denke dabei auch an die städtischen Familienstützpunkte, die in vielen Stadtteilen ein abwechslungsreiches Programm mit unterschiedlichen Schwerpunkten anbieten. Dieses wertvolle Angebot werden wir weiterhin unterstützen und Schritt für Schritt ausbauen. Nun sind meine beiden Mädels schon aus dem Alter raus, in dem meine Frau und ich sie beschäftigen mussten, aber an einem Regentag sollte jede Familie zumindest einmal im Rubina-Haus gewesen sein. Dort können die Kleinen spielerisch etwas über unsere Umwelt lernen – und die Erwachsenen gleich mit! Aber auch das Café Klara im Mehrgenerationenhaus in der Ostengasse sowie das Naturkundemuseum sind an ungemütlichen Tagen lohnende Anlaufstellen – beide mit fairen Preisen. In diesem Zusammenhang möchte ich außerdem dazu aufrufen, das ganzjährige Angebot der zahlreichen Regensburger Sportvereine zu nutzen. Die Eisbären Regensburg, der SC Regensburg oder der TuS bieten beispielsweise ein hervorragendes Programm für Kinder und Jugendliche.

Wie kann die Stadt bezahlbaren Wohnraum für Familien schaffen? Familien mit drei oder mehr Kindern finden kaum bezahlbare Wohnungen.
Wie viele familiengerechte Wohnungen (4+ Zimmer) sollen unter Ihrer Führung pro Jahr entstehen?
Was tun Sie, damit große Familien nicht aus Regensburg wegziehen müssen?

Vom Ansatz Grundstücke der Stadt in die Stadtbau als Eigenkapital einzulegen, sie dadurch am Kapitalmarkt zu stärken und handlungsfähig zu erhalten ist nicht abzuweichen. Allerdings reicht die Bautätigkeit unserer kommunalen Wohnbaugesellschaft nicht aus, um genügend Wohnraum in einer Stadt zu schaffen, der dem Bedarf des Istzustandes, geschweige denn des prognostizierten Wachstums an Einwohnenden gerecht wird. Zu Zeiten von fehlenden Förderungen von Bund und vor allem Freistaat für geförderten Wohnbau ist es an der Regensburger Politik Wege zu finden, zumindest preisgedämpften Wohnraum zu sichern. Dazu müssen auch im Zuge des Regensburger Baulandmodells Lösungen erarbeitet werden. Familiengerechte Wohnungszuschnitte müssen bei Bauvorhaben zu Vorgaben werden. Dem nahezu definierten Ausstiegs des Freistaates aus der Wohnbauförderung ist entschieden entgegenzutreten.

Elterntaxis, fehlende Radwege, Stress im Straßenverkehr – ein Dauerthema. Nennen Sie drei konkrete Maßnahmen zur Verkehrssicherheit für Kinder, die Sie bis 2030 gerne umsetzen möchten. (z.B. Tempo 30 vor Schule X, Schulstraße an Straße Y, geschützter Radweg Z)
Wie viel Prozent des Verkehrsbudgets fließen in Rad- und Fußverkehr?
Wie schaffen Sie mehr Platz für Kinderwägen im ÖPNV?

Das Thema Tempo 30 z.B. im Unterislinger Weg, der Chamer Str. sind nur 2 Beispiele bei deren Umsetzung sich die Stadt im Weg steht, da man immer auf die rechtlich schwierige Situation hinweist. Mehr Mut und Pragmatismus bei der Entscheidung für Tempo 30. Die Umsetzung der Hauptradrouten wird zusammen mit der Verkehrsberuhigung Altstadt zur Chefsache und bekommt eine Stabstelle im Büro des Oberbürgermeisters. Umsetzung von Schulstraßen überall, wo es die Schulfamilie geschlossen wünscht und es machbar ist. Ich weiß von vielen Schulen, dass sie Probleme mit Elterntaxis haben, muss mir aber ehrlicherweise die Situationen vor Ort einzeln erklären lassen. Hier wäre es wieder unseriös, Versprechungen zu machen. Der Platz im ÖPNV für Kinderwägen und Menschen mit Behinderung hängt von der Beschaffungsstrategie des das Stadtwerk Mobilität (SMO) ab, die hier die gesetzlichen Vorgaben einhalten.

Was möchten Sie für unsere Schulen tun?
Welche Schulen haben aus Ihrer Sicht den dringendsten Sanierungsbedarf – und bis wann wollen Sie diese sanieren? Wie setzen Sie den Ausbau der Ganztagsbetreuung und den kommenden Rechtsanspruch bis 2029 um? Welche Maßnahmen planen Sie für sichere Schulwege, z. B. an der Kreuzschule?

Leider ist es insgesamt so, dass wir an fast allen Schulen Investitionsbedarf haben, darum ist die Frage nach der Priorisierung entsprechend wichtig. Das Bildungsreferat unter Dr. Sabine Kellner-Mayrhofer hat einen fundierten 10-Jahres-Plan aufgestellt, unter dem alle KiTas und Schulen evaluiert wurden. Diesem Plan sollten wir folgen. Bei den Debatten um einen genehmigungsfähigen Haushalt legen wir Wert darauf keine Einsparungen im Bildungsbereich vorzunehmen. Der Rechtsanspruch wurde im Jahr 2025/2026 im KiTa erfüllt. Allen Kindern wurde ein Angebot gemacht und ein Betreuungsplatz ( wenn es auch nicht immer der Wunschplatz im örtlichen Bezug ist) vermittelt. Trotzdem gibt es im nächsten Schuljahr noch erhöhte Bedarfe und die Kommunikation mit der Elternschaft muss besser und transparenter werden. Man arbeitet jedoch im Bildungsreferat mit Hochdruck daran, nächstes Jahr allen Rechtsansprüchen nachzukommen. Ein weiter Punkt betrifft die Förderung multiprofessioneller Einrichtungen und die Zusammenarbeit von Vereinen, Schulen, dem Seniorenbeirat, freien Trägern, Stadtteilbüchereien und anderen Akteuren. Ziel sollte sein, Kitas und Schulen zu entlasten und gleichzeitig neue Ressourcen zu erschließen. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sehe ich großes Potenzial in der Einbindung von Seniorinnen und Senioren, die über wertvolle Kompetenzen verfügen – und das in großer Zahl. Institutionen müssen sich öffnen und stärker aus den vielfältigen Angeboten der Nachbarschaft schöpfen. Das wäre zumindest meine Zukunftsidee.

Für Jugendliche gibt es nur wenige Angebote in Regensburg, um sich im öffentlichen Raum treffen zu können. Sie brauchen Plätze, ohne dass diese sofort nach Lärmbeschwerden geschlossen werden. Aktuell ist das Freizeitgelände beim JUZ Arena und der Bauspielplatz gefährdet.
Welche neuen Treffpunkte für Jugendliche planen Sie – und wo konkret?
Wie wollen Sie Konflikte zwischen Anwohner:innen und Jugendlichen moderieren?
Wie schützen Sie bestehende Jugend- und Freizeiteinrichtungen wie den Bauspielplatz dauerhaft?

Die Problematik am Bauspielplatz und dem JUZ Arena macht mich richtig sauer. Da beschwert sich jetzt ein einzelner Anwohner, der dort im Übrigen erst hingezogen ist. Die Jugendlichen waren schon viel früher dort. Aus meiner Sicht darf es solchen Querulanten nicht gelingen, uns als Gesellschaft das Zusammenleben madig zu machen. Wäre ich OB, würde ich morgen zum Telefonhörer greifen und kommunizieren, dass ein Zurückweichen seitens der Stadt und ihrer Gesellschaft nicht möglich ist.

Was Treffpunkte für Jugendliche angeht, wünsche ich mir manchmal mehr Empathie von meiner Generation und den noch etwas Älteren. Man muss den jungen Leuten den Raum geben ihre Freizeit konsumfrei genießen zu können. Da darf auch mal gefeiert und gelacht werden. Das haben wir schließlich früher auch getan. Aber: wir hatten damals auch keine Bluetooth-Boxen, die die ganze Jahninsel beschallen konnten und haben dies bis aufs Letzte ausgereizt. Das Problem ist doch, dass es ein paar Wenige sind, die das Bild einer ganzen Gruppe prägen. Also sollte man auf die Gruppen zugehen und ihnen sagen: identifiziert ihr doch selbst, wer hier Ärger macht, und weist sie zurecht. Erst wenn dies nicht geschieht, muss man wirklich durchgreifen und ggf. temporäre Platzverweise erteilen. Für den Erstkontakt wünsche ich mir allerdings Sozialarbeiter, anstelle des Ordnungsamtes oder der Polizei, weil ich glaube, dass sie einen besseren Draht haben und bei Jugendlichen nicht sofort einen Abwehrmechanismus auslösen, der die Situation eskaliert.

Die Kita-Kosten steigen jährlich. Wir als Träger von Kitas kämpfen mit den stetig steigenden Kosten. Welche Unterstützung ist geplant?

Leider kann ich Ihnen auch zu dieser Detailfrage keine ehrliche Antwort geben.

Die Frage wird sich erst lösen lassen, wenn mit einer neuen Stadtführung politische Schwerpunkte in einem Haushalt abbilden lassen.

Familienarmut & soziale Unterstützung: Wie wollen Sie Kinder aus einkommensschwachen Familien besser unterstützen? Welche Maßnahmen planen Sie, um Teilhabe unabhängig vom Geldbeutel zu ermöglichen?

Wir bieten als Stadt zum Beispiel weitestgehend kostenlosen Zugang zu musikalischer Bildung für Kinder und Jugendliche an. Außerdem gibt es diverse Programme zur Unterstützung bei Klassenfahrten usw. Wir sollten viel mehr dafür werben und den Zugang möglichst einfach gestalten. Jetzt werden viele fragen: wie will er das dann alles finanzieren? Ich sage es Ihnen: bei unterschiedlichen Stiftungen in der Stadt liegen z.B. teils horrende Summen Geld, das nur darauf wartet, abgerufen zu werden. Ich werde als OB dafür sorgen, dass wir hier besser zwischen Bedürftigen und Stiftungen vermitteln.

Was möchten Sie den Familien in Regensburg noch sagen?

Ich bin überzeugt, dass wir vielen Herausforderungen, vor denen Kinder und Jugendliche stehen, nur begegnen können, wenn wir sie aktiv in gesellschaftliche Prozesse und politische Entscheidungen einbeziehen. Dazu gehören aber auch verantwortungsvolle Eltern, die sich Ihrer Aufgabe bewusst sind. Ich möchte dazu auffordern in den Austausch zu gehen, Erfahrungen und Ideen auszutauschen und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Ich stehe für eine verbindende Politik, die nicht, vor allem im Wahlkampf, viel verspricht und sich nach Übernahme von Verantwortung auf schwere Rahmenbedingungen zurückzieht.