Familienpolitik

Benedikt Suttner (ÖDP): Mutige Entscheidungen für Kinder und Jugendliche

von Regensburger Eltern

Als Stadtrat und Vater setzt Suttner auf konkrete Maßnahmen: sichere Schulwege, mehr Spiel- und Begegnungsräume sowie aktive Einbindung von Kindern in die Stadtplanung. Sein Ziel: Regensburg lebenswert erhalten und Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt der Politik stellen.

Deswegen möchte ich Regensburger Oberbürgermeister*in werden…

Benedikt Suttner: Um Regensburg so lebenswert zu erhalten wie es ist, braucht es mutige Entscheidungen. Beschlüsse für eine echte Verkehrs- und Energiewende, gegen weiteren Flächenfraß zu Lasten unserer Natur und für soziale Gerechtigkeit. Diesen Mut, als Oberbürgermeister beherzt zu handeln, traue ich mir nach 16 Jahren im Regensburger Stadtrat zu.

Kinder und Jugendliche sind für mich ….

...der Grund, Politik zu machen. Sie müssten es ausbaden, wenn wir die Demokratie nicht gegen ihre Feinde verteidigen würden.

Regensburg erhielt 2022 die Auszeichnung „kinderfreundliche Kommune". Wo bzw. was ist an Regensburg aus Ihrer Sicht besonders kinderfreundlich? Und wie wollen Sie dafür sorgen, dass die Stadt diesen Titel auch in Zukunft behält?

In der Beteiligung von Kindern ist die Stadt schon richtig gut, wenn ich an Mini-Regensburg, den Kinderbeirat oder die Spielleitplanung denke. Um die Kinderfreundlichkeit zu steigern, brauchen wir viele Maßnahmen gegen die wachsende Kinderarmut in unserer Stadt. Und dass verkehrsarme Schulwege kein Traum bleiben, dafür mache ich mich stark.

Was ist geplant, um die Lebens- und Freizeitqualität für Kinder und Familien weiter zu steigern? Führen Sie uns gerne durch drei verschiedene Viertel. Sagen Sie uns für jeden dieser drei Stadtteile was Sie gerne umsetzen möchten, wann soll die Umsetzung geschehen und was kostet es?

Ich möchte, dass die Stadt 1000 neue Bäume pro Jahr selbst pflanzt. Das ist konkrete Politik für Natur und Mensch. Den Ostpark möchte ich aufwerten, hier sehe ich in Kombination mit der Entwicklung der PLK viel Raum für Kinder und Familien. Im Süden wäre mir die Verkehrsberuhigung ein großes Anliegen, so dass Kinder, Jugendliche und Familien ihre täglichen Wege ohne das Auto bestreiten können. Generell wünsche ich mir mehr konkrete schnelle Aufwertungen, z.B. mit mehr Basketballkörben an Gebäuden, damit sich Jugendliche frei sportlich betätigen können.

Nur wenige gastronomische Angebote in Regensburg sind familienfreundlich. Es gibt kaum mehr Familiencafés mit Spielbereichen für Kinder, Räume ganz ohne Konsumzwang sind noch seltener und bei schlechtem Wetter bleibt wenig Angebot übrig.
Wenn Sie an einem Regentag mit Ihrem Kind in Regensburg unterwegs wären, wo würden Sie hingehen? Welche konkreten städtischen Anreize (z. B. Mietzuschüsse, Zwischennutzung, schnellere Genehmigungen) wollen Sie einführen, um solche Orte zu fördern?

Ich denke hier an Coffee-Bikes in der Nähe großer Spielplätze, wie z.B. im Stadtpark. Auch das Park-Kiosk-Projekt im Ostpark wäre ein großer Gewinn. Die Spielmöglichkeiten wären schon da und man könnte die Konsumpreise hier sicher niedriger halten als in einem zu mietenden Gebäude. Generell stelle ich mir stadtteilbezogene Projekte als Zwischennutzungen in gerade leer stehenden Objekten vor. Zusammen mit den Hochschulen und der kreativen Szene rund ums M 26 könnten mit interessierten Eltern neue Formate entwickelt werden.

Wie kann die Stadt bezahlbaren Wohnraum für Familien schaffen? Familien mit drei oder mehr Kindern finden kaum bezahlbare Wohnungen.
Wie viele familiengerechte Wohnungen (4+ Zimmer) sollen unter Ihrer Führung pro Jahr entstehen?
Was tun Sie, damit große Familien nicht aus Regensburg wegziehen müssen?

Das ist derzeit eines der schwierigsten Probleme, die wir in meinen Augen haben. Die CSU lässt die Töpfe des Freistaats für die einkommensorientierte Förderung austrocknen. Dadurch wird es noch schwerer, die Mieten bezahlbarer zu machen. Statt immer nur den Neubau in den Mittelpunkt zu stellen sollten wir die Chancen des Altbestands stärker betonen. Wir brauchen z.B. endlich attraktive Möglichkeiten zum Wohnungstausch. Es kann doch nicht sein, dass viele alleinstehende ältere MitbürgerInnen ihren Wunsch nach einer barrierefreien kleineren Wohnung nicht verwirklichen können, weil ein Umzug aus ihrem zu großen barrierereichen Heim an der Mietpreisexplosion scheitert. Und wir brauchen dringend eine stärkere Rolle von Genossenschaften und der öffentlichen Hand um sozial zu wirken.

Elterntaxis, fehlende Radwege, Stress im Straßenverkehr – ein Dauerthema. Nennen Sie drei konkrete Maßnahmen zur Verkehrssicherheit für Kinder, die Sie bis 2030 gerne umsetzen möchten. (z.B. Tempo 30 vor Schule X, Schulstraße an Straße Y, geschützter Radweg Z)
Wie viel Prozent des Verkehrsbudgets fließen in Rad- und Fußverkehr?
Wie schaffen Sie mehr Platz für Kinderwägen im ÖPNV?

Am liebsten hätte ich Tempo 30 statt 50 als Höchstgeschwindigkeit im Stadtgebiet. Das geht leider rechtlich noch nicht. Aber vor Schulen und Kitas hätten wir die gesetzliche Chance, die viel stärker flächendeckend genutzt werden müsste. Meine Hoffnung: Bis 2030 sollten wir durch mehrere Schulstraßen unsere Kinder zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad beruhigt zur Schule schicken können. An unseren Schulen sollte dringend regelnd in den Verkehr eingegriffen werden, auch durch bauliche Veränderungen. Beim Bau der Kreuzschule habe ich im Stadtrat z.B. wieder und wieder darauf gedrungen, damals leider erfolglos.

Was möchten Sie für unsere Schulen tun?
Welche Schulen haben aus Ihrer Sicht den dringendsten Sanierungsbedarf – und bis wann wollen Sie diese sanieren? Wie setzen Sie den Ausbau der Ganztagsbetreuung und den kommenden Rechtsanspruch bis 2029 um? Welche Maßnahmen planen Sie für sichere Schulwege, z. B. an der Kreuzschule?

Die BS III muss dringend saniert werden, das ist offensichtlich. Die Realschule am Judenstein sollte in den nächsten Jahren durch eine Sanierung der alten Kreuzschule weitere Räume bekommen und auch die Ertüchtigung der Albert-Schweitzer-Realschule wurde schon viel zu lange geschoben. Und bei der Pestalozzischule muss dringend was in Kombination mit der neuen Grundschule auf der PLK passieren. Es gibt viel zu tun, und all das muss auf die Prioritätenliste. Indem wir das Investitionsprogramm des Bildungsreferats umsetzen. Hier liegt ein guter konkreter 10-Jahres-Plan vor, den es gilt zu realisieren. Generell möchte ich, dass rund um Schulen die Sicherheit des Kindes an erster Stelle steht. Die schnelle Abwicklung des Verkehrsflusses hat hier nicht die erste Geige zu spielen. Deshalb bedarf es mehr Einschränkungen des Autoverkehrs, vor allem vor Schulen, Kitas und sozialen Einrichtungen.

Für Jugendliche gibt es nur wenige Angebote in Regensburg, um sich im öffentlichen Raum treffen zu können. Sie brauchen Plätze, ohne dass diese sofort nach Lärmbeschwerden geschlossen werden. Aktuell ist das Freizeitgelände beim JUZ Arena und der Bauspielplatz gefährdet.
Welche neuen Treffpunkte für Jugendliche planen Sie – und wo konkret?
Wie wollen Sie Konflikte zwischen Anwohner:innen und Jugendlichen moderieren?
Wie schützen Sie bestehende Jugend- und Freizeiteinrichtungen wie den Bauspielplatz dauerhaft?

Das möchte ich im engen Schulterschluss mit den Jugendlichen durch den Jugendbeirat, den Stadtjugendring und die Jugendpartizipation im Stadtteil planen. Wo, wenn nicht hier, brauchen wir eine aktive Jugendbeteiligung statt allgemeiner Aussagen von OB-Kandidaten? Aus den Konflikten um den Bauspielplatz lernen wir, dass es enorm wichtig ist, bei Bebauungsplänen mit Kinderund Jugendeinrichtungen ausreichende Lärmkontingente vorzusehen. Das war in meinen Augen hier von Anfang an auf Kante genäht. Ich habe mich schon 2014 klar für den Bauspielplatz ausgesprochen und dabei werde ich auch bleiben. Unsere Gesetze schützen „Kinderlärm" viel stärker als früher. Mit diesem Pfund im Hintergrund möchte ich als OB ins Gespräch mit Anwohnern gehen. Wenn wir in unserer digitalen Welt laute analoge Stimmen unserer Kinder und Jugendlichen nicht schützen, ist uns nicht zu helfen.

Die Kita-Kosten steigen jährlich. Wir als Träger von Kitas kämpfen mit den stetig steigenden Kosten. Welche Unterstützung ist geplant?

In den letzten Jahren gab es schon eine freiwillige Betriebskostenförderung und die Lockerung des Gebührendeckels durch die Stadt. Uns ist klar, dass wenn ein Träger aussteigt, meist die Stadt in die Bresche springen muss. Und das wird in der Regel teurer. Insofern setze ich auf einen guten Austausch, so dass die Kosten gemeinsam verträglich aufgefangen werden können. Schlimm wäre es, wenn aus Geldgründen Betreuungsschlüssel zu Lasten unserer Kinder verschlechtert würden. Auch das gilt es zu verhindern.

Familienarmut & soziale Unterstützung: Wie wollen Sie Kinder aus einkommensschwachen Familien besser unterstützen? Welche Maßnahmen planen Sie, um Teilhabe unabhängig vom Geldbeutel zu ermöglichen?

Ich sehe in einer guten kommunalen Jugendarbeit einen wichtigen Bereich in der Prävention von Kinderarmut. Deshalb sollten diese Aktionen ausgeweitet und kostenfrei angeboten werden. Auch in der Bewerbung der Angebote, z.B. auch der kulturell-musischen liegt noch Potential. Niedrigschwellig lautet hier das Stichwort. Aufbauen können wir dabei auf den Erfahrungen mit dem Stadtpass, den wir vor zehn Jahren mit auf den Weg gebracht haben.

Was möchten Sie den Familien in Regensburg noch sagen?

Als Vater von drei Kindern und Stadtrat kann ich so manchen Unmut verstehen, wenn das Schlagwort „kommunale Familienpolitik" fällt. Umso mehr wünsche ich mir, dass sich gerade Mütter und Väter aktiv politisch einmischen. Nur so bekommen ihre Sichtweisen mehr Gewicht in unserer Gesellschaft. Und so wird es auch leichter, ein kinder- und enkeltaugliches Regensburg zu schaffen.