Irmgard Freihoffer verbindet soziale Wohnpolitik, Klimaanpassung und eine deutliche Entlastung von Familien zu einem klaren Zukunftsplan für Regensburg. Sie fordert bessere Bildungs- und Teilhabechancen, mehr Grün und weniger Verkehrslast – und benennt konsequent die finanziellen und politischen Rahmenbedingungen dahinter. Auffällig klar grenzt sie sich von militärischer Einflussnahme auf kommunaler Ebene ab und fordert stattdessen Investitionen in Kinder, Bildung und soziale Infrastruktur.
Anmerkung der Redaktion: Das Interview mit Irmgard Freihoffer wurde geführt, bevor feststand, dass das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) nicht zur Kommunalwahl in Regensburg zugelassen wird. Für einen Wahlantritt wären 430 Unterstützungsunterschriften notwendig gewesen, es kamen jedoch nur 75 zusammen. Für Freihoffer, die 2023 von der Linken zum BSW wechselte und 18 Jahre dem Stadtrat angehörte, bedeutet dies das vorläufige Ende ihrer kommunalpolitischen Arbeit.
Deswegen möchte ich Regensburger Oberbürgermeister*in werden…
Irmgard Freihoffer: Weil ich mich dafür einsetzen möchte, dass man sich das Wohnen und Leben in Regensburg leisten kann. Ich möchte für mehr Lebensqualität sorgen durch mehr öffentliche Räume, mehr Grün in der Stadt, weniger Versiegelung, weniger Autoverkehr, zugleich für einen deutlich besseren öffentlichen Nahverkehr u.a. durch einen Ausbau des schienengebundenen Verkehrs, soziale Teilhabe für alle Generationen und verstärkte Investitionen in Kitas und Schulen. Eine Militarisierung der Stadt z. B. durch Bundeswehrwer-bung an Bushaltestellen, einen weiteren Bundeswehrstandort oder die Einbindung der Stadt für den „Operationsplan Deutschland“ der Bundeswehr, die den ohnehin schon klammen Haushalt weiter belas-tet, lehne ich ab. Es wäre wohlfeil, z. B. mehr Investitionen in den Kita- und Schulbereich zu fordern, oh-ne sich Gedanken über die Finanzierung zu machen. Der Deutsche Städtetag beklagt massiv die man-gelnde finanzielle Ausstattung der Kommunen durch Bund und Länder. Ein gigantisches Aufrüstungs-programm führt uns in eine gefährliche Aufrüstungsspirale, denn Russland und China werden nachzie-hen. 3-5% des Bruttoinlandsprodukts für Rüstungsausgaben würden ca. 30 -45 % des Bundeshaushalts binden. Wer heute ein deutlich stärkeres Engagement der Kommunen beim Wohnungsbau und in Kitas und Schulen fordert, darf diesen Zusammenhang nicht ausblenden.
Kinder und Jugendliche sind für mich ….
die Zukunft. Wir müssen ihnen die bestmögliche Bildung zuteil werden lassen, damit sie ihre Fähigkeiten entwickeln können und um ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Die Stadt hat die soziale und kulturelle Teilhabe von Kindern aus einkommensschwächeren Haushalten sicherstellen.
Regensburg erhielt 2022 die Auszeichnung „kinderfreundliche Kommune". Wo bzw. was ist an Regensburg aus Ihrer Sicht besonders kinderfreundlich? Und wie wollen Sie dafür sorgen, dass die Stadt diesen Titel auch in Zukunft behält?
Zum Beispiel wurde mit dem Jugendbeirat, dem Kinderbeirat sowie anderen Beteiligungsformen eine zuverlässige Kinder- und Jugendbeteiligung fest in der Stadt verankert. Es wurden Qualitätsstandards für eine kinder-freundliche Stadtplanung und Stadtentwicklung eingeführt und attraktive Orte für Begegnung, Spiel und Bewegung geschaffen, neben denen in Neubauvierteln wie z. B. dem Dörnbergquartier auch in schon bestehenden Stadtteilen wie z. B. Schwabelweis. Der Drachenspielplatz im Kasernenviertel ist inklusiv.
Die Stadt hat sich verpflichtet, die Standards der Organisation Kinderfreundliche Kommunen dauerhaft einzuhalten.
Was ist geplant, um die Lebens- und Freizeitqualität für Kinder und Familien weiter zu steigern? Führen Sie uns gerne durch drei verschiedene Viertel. Sagen Sie uns für jeden dieser drei Stadtteile was Sie gerne umsetzen möchten, wann soll die Umsetzung geschehen und was kostet es?
In Reinhausen und Weichs: Die beiden Stadtteile werden durchschnitten von breiten, mehrspurigen, verkehrsreichen und lauten Straßen, die eine hohe Barrierewirkung aufweisen. Es gibt außerdem viele Gewerbeflächen mit großflächig versiegelten Parkplätzen. Einige der Wohnblöcke sind dadurch inselartig abgeschnitten. Viele Grünflächen weisen eine hohe Lärmbelastung auf. Es fehlen Grünflächen mit Aufenthaltsqualität und Spiel- und Bolzplätze. Durch einen zukunftsfähigen öffentlichen Nahverkehr (leistungsfähige Stadtbahn mit darauf abgestimmtem Bussystem) könnte die Verkehrsbelastung reduziert werden. Grünflächen, auch wenn sie klein sind, sollten miteinander vernetzt werden. Gegebenenfalls wäre bei verlärmten Grünflächen auch passiver Schallschutz zu prüfen.
Konkrete Maßnahmen in Reinhausen: U.a. Errichtung von Spiel- und Bolzplätzen in den unterversorgten Wohngebieten an der Isarstraße, Aufwertung des Albert-Schweitzer-Parks durch sensible Ausholzung, um Angsträume zu vermeiden sowie Einrichtung von Bewegungs- und Balanceelementen etc., Nutzung der Potenziale der Schulhöfe im Stadtteil durch Öffnung und Aufwertung (z. B. Willi-Ulfig-Mittelschule und Albert-Schweitzer-Realschule). Dazu müssen die Schulhöfe attraktiver gestaltet werden. Zudem braucht es ein Konzept, wie man z. B. die Probleme mit Vermüllung und Vandalismus in den Griff bekommt. (u.a. mobile Jugendarbeit prüfen). Aufenthaltsqualität der komplett versiegelten große Fläche vor dem Alex-Center erhöhen, wo sich viele Kinder und Jugendliche der umliegenden Schulen treffen. Dazu mit dem Eigentümer der Fläche Kontakt aufnehmen.
Weichs: Der Spielplatz am Schwabelweiser Weg ist abgelegen und wegen der fehlenden Einsehbarkeit eher angstbesetzt. Das Weichser Donauufer mit erholungsrelevanten Grün-, Spiel- und Sportflächen aufwerten. Altstadt: Auch hier fehlen Spielmöglichkeiten und Grün. Hier ließe sich z. B. in der Obermünsterstraße durch Grün und Umgestaltung mit Reduzierung des Autoverkehrs und einer Spielfläche die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen. Zu den Kosten kann ich keine Angaben machen, da alle vorgeschlagenen Maßnahmen einer Planung bedürfen. Erst danach können Kosten veranschlagt werden. Die Maßnahmen sollten innerhalb der nächsten Jahre umgesetzt werden.
Nur wenige gastronomische Angebote in Regensburg sind familienfreundlich. Es gibt kaum mehr Familiencafés mit Spielbereichen für Kinder, Räume ganz ohne Konsumzwang sind noch seltener und bei schlechtem Wetter bleibt wenig Angebot übrig.
Wenn Sie an einem Regentag mit Ihrem Kind in Regensburg unterwegs wären, wo würden Sie hingehen? Welche konkreten städtischen Anreize (z. B. Mietzuschüsse, Zwischennutzung, schnellere Genehmigungen) wollen Sie einführen, um solche Orte zu fördern?
Auch an einem Regentag bietet die Stadt einiges. Man kann z. B. ins Schwimmbad gehen oder sich im Verein sich sportlich betätigen. Zwar gibt es unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. bei Anspruch auf Jobcenterleistungen, Wohngeldbezug) 15,00 € monatlich pro Kind für die Vereinsmitgliedschaft, das dürf-te aber nicht mehr ausreichend sein, wenn Familien mit hohen Miet- und Nebenkosten zu kämpfen ha-ben. Deshalb wäre hier zu prüfen, 1. die Voraussetzungen für die Gewährung abzusenken und 2. den Zuschuss für die Vereinsmitgliedschaft zu erhöhen. Ebenso wäre zu prüfen, die Vereine weiter finanziell zu unterstützen, wenn sie ihrerseits die Mitgliedsbeiträge absenken. Weitere Möglichkeiten bieten die Stadtteilbüchereien. Die Stadt sollte die Zwischennutzung leerstehender Räumlichkeiten für Jugendtreffs ermöglichen.
Auch wenn ein Besuch im Historischen Museum sicherlich nicht jeden Monat bei Regenwetter ansteht, so ist es doch wichtig zu wissen, dass er für unter 18-Jährige nichts kostet und das Besucherzentrum Welt-erbe grundsätzlich für alle kostenlos ist.
Wie kann die Stadt bezahlbaren Wohnraum für Familien schaffen? Familien mit drei oder mehr Kindern finden kaum bezahlbare Wohnungen.
Wie viele familiengerechte Wohnungen (4+ Zimmer) sollen unter Ihrer Führung pro Jahr entstehen?
Was tun Sie, damit große Familien nicht aus Regensburg wegziehen müssen?
Da Regensburg Singlehauptstadt ist, ist es umso erforderlicher, Familien in der Stadt zu halten. Es wäre allerdings nicht seriös, genaue Angaben bezüglich der Anzahl von benötigten familiengerechten Wohnungen insbesondere für größere Familien zu machen, da mir hier eine ausreichende Datengrundlage fehlt. Nach Art. 106 der Bay. Verfassung ist es sowohl Pflichtaufgabe des Staates als auch der Stadt, sozialen Wohnungsbau zu fördern oder selbst durchzuführen. Der Fördertopf des Freistaats für einkommensorientierte Förderung (EOF) ist leer. Die Erhöhung der Bundesmittel für bezahlbares Wohnen hat Bayern aber nicht zum Anlass genommen, das Fördervolumen insgesamt zu erhöhen. Deshalb sollte die stadteigene Stadtbau nicht nur mit Grundstücken, sondern mit erheblich mehr finanziellen Mitteln ausgestattet werden und Genossenschaften müssen besser unterstützt werden. Wie München sollte Regensburg einen Sozialfonds auflegen, um die weggefallenen Mittel der einkommensorientierten Förderung zu kompensieren. Um das Bauen zu verbilligen, muss die Forderung an den Bund gehen, dringend für günstige Energie sorgen. Hohe Energiepreise spiegeln sich gleich mehrfach in den Baukosten wider: Energie steckt sowohl im Abbau bzw. der Herstellung der Rohmaterialien als auch in deren Weiterverarbeitung und ihrem Transport. Auch das Bauen selbst verbraucht Energie. Eine weitere Forderung an den Bund: Wieder ein wirksames Wohngemeinnützigkeitsgesetz, das nur kostentragende Mieten zulässt, einzuführen (wie vor 1990), denn das letztes Jahr eingeführte entfaltet laut Mieterverbänden kaum Wirkung.
Elterntaxis, fehlende Radwege, Stress im Straßenverkehr – ein Dauerthema. Nennen Sie drei konkrete Maßnahmen zur Verkehrssicherheit für Kinder, die Sie bis 2030 gerne umsetzen möchten. (z.B. Tempo 30 vor Schule X, Schulstraße an Straße Y, geschützter Radweg Z)
Wie viel Prozent des Verkehrsbudgets fließen in Rad- und Fußverkehr?
Wie schaffen Sie mehr Platz für Kinderwägen im ÖPNV?
Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen: Tempo 30 im Unterislinger Weg, der eng und wegen der Steigung nicht so übersichtlich ist. Im direkten Umfeld liegt die Grundschule Napoleonstein. Leider wurde das vor Kurzem im Planungsausschuss abgelehnt. Tempo 30 sollte zumindest in Teilen in der Johann-Hösl-Str., dem Standort der privaten Förderschule St. Vincent, eingeführt werden, solange diese Schule noch nicht nach Neutraubling umgezogen ist. Grundschule Königswiesen: Wenn schon Elterntaxis, dann sollten die letzten 200 bis 500 Meter zu Fuß gegangen werden. Ein extra Parkplatz in einiger Entfernung könnte zur Entlastung des Schulumfelds beitragen und den Kindern die Möglichkeit geben, sich im Straßenverkehr sicher zu bewegen. Die derzeitige Situation: Eltern halten teilweise im absoluten Halteverbot, auch wen-den manche auf der Straße, sodass es zu heiklen Fahrmanövern kommt. Genaue Zahlen zu den Ausga-ben für Rad- und Fußverkehr lassen sich den Haushaltsplänen nicht entnehmen. In jedem Falle kann man aber sagen, dass sehr viel Geld für den Autoverkehr ausgegeben wird (z. B. Parkhaus Techbase kostete 7,3 Mio. €, Ausbau Nordgaustraße mit 105 Mio. in Planung). Für mehr Platz für Kinderwägen im ÖPNV müssten auf weniger nachgefragten Busstrecken Sitzplätze wegfallen; zumindest auf den viel frequentierten Strecken (z. B. vom Bahnhof zur Uni) zur Hauptverkehrszeit bräuchte man längere Busse (Doppelgelenkbusse haben aber auch nur ca. 25 m Länge). Da wäre eine Stadtbahn natürlich komfortabler.
Was möchten Sie für unsere Schulen tun?
Welche Schulen haben aus Ihrer Sicht den dringendsten Sanierungsbedarf – und bis wann wollen Sie diese sanieren? Wie setzen Sie den Ausbau der Ganztagsbetreuung und den kommenden Rechtsanspruch bis 2029 um? Welche Maßnahmen planen Sie für sichere Schulwege, z. B. an der Kreuzschule?
Dringendste Schulsanierungen: Albert-Schweitzer-Realschule, Realschule am Judenstein, Osttrakt Werner-von Siemens-Gymnasium (in diesem Fall Neubau), Berufliches Schulzentrum Matthäus Runtinger, Sanierung und Erweiterung des Albertus-Magnus-Gymnasiums. Um den Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung umzusetzen, ist die Stadt mit der Zulage zur Tarifbezahlung für Erzieher/innen in einer vergleichsweise günstigen Lage, da sie momentan wohl den Bedarf an zusätzlichem Personal decken kann. Sichere Schulwege: Wo Kinder die Straßen queren, sollten keine parkenden Autos stehen. Insbesondere auch im Umfeld von Grundschulen muss geprüft werden, ob auf zuführenden Straßen, die häufig von Kindern genutzt werden, Tempo 30 eingeführt werden kann
Für Jugendliche gibt es nur wenige Angebote in Regensburg, um sich im öffentlichen Raum treffen zu können. Sie brauchen Plätze, ohne dass diese sofort nach Lärmbeschwerden geschlossen werden. Aktuell ist das Freizeitgelände beim JUZ Arena und der Bauspielplatz gefährdet.
Welche neuen Treffpunkte für Jugendliche planen Sie – und wo konkret?
Wie wollen Sie Konflikte zwischen Anwohner:innen und Jugendlichen moderieren?
Wie schützen Sie bestehende Jugend- und Freizeiteinrichtungen wie den Bauspielplatz dauerhaft?
In Burgweinting ist eine neue Freizeitanlage für Jugendliche mit Skateanlage, Bolzplatz und Veranstaltungsfläche geplant. Tatsächlich wäre es in Gegenden mit dichter Bebauung und einem unattraktiven Umfeld, wie z. B. im Umfeld der Isarstraße sinnvoll, weitere Jugend- und Freizeiteinrichtungen zu planen. Um Konflikte zu deeskalieren, braucht es ausgebildete Moderatoren, die für beide Seiten tragfähige Kompromisse aushandeln. Aber das ist natürlich leichter gesagt als getan …
Ich bin da ehrlich gesagt auch etwas ratlos, durch welche Maßnahmen man weitere Zerstörungen des Bauspielplatzes verhindern kann. Zumindest sollte man versuchen, z. B. über einen runden Tisch den Konflikt mit Anwohnern zu entschärfen. In jedem Falle ist diese Kreativität fördernde und pädagogisch sinnvolle Freizeiteinrichtung für Kinder zu erhalten.
Die Kita-Kosten steigen jährlich. Wir als Träger von Kitas kämpfen mit den stetig steigenden Kosten. Welche Unterstützung ist geplant?
Da wäre auch die Bundespolitik gefragt, für bezahlbare Energie zu sorgen, denn die Energiepreise schlagen sich nicht nur im unmittelbaren Energieverbrauch wie Heizen nieder, sondern auch bei den Verbrauchsgütern. Die Kita sollte eigentlich nichts kosten, Eine solche Forderung wäre aber bei der momentanen Haushaltslage nicht umsetzbar. In jedem Falle sollte die Stadt hier Zuschüsse erhöhen.
Familienarmut & soziale Unterstützung: Wie wollen Sie Kinder aus einkommensschwachen Familien besser unterstützen? Welche Maßnahmen planen Sie, um Teilhabe unabhängig vom Geldbeutel zu ermöglichen?
Wie oben erwähnt, gibt es unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. bei Anspruch auf Jobcenterleistungen, Wohngeldbezug) 15,00 € monatlich pro Kind für die Vereinsmitgliedschaft, das dürfte aber nicht mehr ausreichend sein, wenn Familien mit hohen Miet- und Nebenkosten zu kämpfen haben. Deshalb sollten solche Zuschüsse erhöht sowie die Eintrittspreise/Gebühren bei Schwimmbädern und Musikschulen etc. zumindest nicht weiter angehoben oder sogar gesenkt werden.
Was möchten Sie den Familien in Regensburg noch sagen?
Die finanzielle Situation verbessern: Die meisten der von mir vorgeschlagenen bzw. favorisierten Maßnahmen kosten Geld. Da auch die Sozialausgaben der Stadt stark gestiegen sind, lässt sich die finanzi-elle Situation der Stadt, wie oben schon erwähnt, nur durch mehr Mittel von Bund und Freistaat verbes-sern. Die Gewerbesteuereinnahmen, die größte Einnahmequelle der Stadt, sind auch in Regensburg zu gering. Die schwächelnde Wirtschaft ist insbesondere eine Folge stark gestiegener Energiekosten. Des-halb die Forderung an den Bund, für günstige Energie zu sorgen.
Städtische Großprojekte müssen auf den Prüfstand. So ist der Sallerner Regenbrücke mit Ausbau der Nordgaustraße, was die Stadt mindestens 105 Mio. € kostet und Verkehrsprobleme nicht nachhaltig löst, eine Absage zu erteilen. Stattdessen sollte die B15, die derzeit über die Amberger und Nordgaustraße verläuft, auf die B16 im Norden und dann über die Coburger Straße auf die Pilsenallee verlegt werden, um den Durchgangsverkehr nicht in die Stadt zu leiten. Auch den Ausbau des Velodroms zur Vollbühne für 50-60 Mio. (an der Stadt bleiben nach Abzug der Förderung knapp 30 Mio. hängen) sehe ich kritisch angesichts der angespannten Haushaltslage.
Zum Schluss: Im Juni 2025 berichteten zwei Bundeswehroberste in Uniform im Stadtrat, welche Aufgaben auf die Stadt im Rahmen der Umsetzung des Operationsplans Deutschlands zukommen. Eine Debatte hierzu war im Stadtrat nicht erwünscht. Deeskalation, Entspannung, das Konzept der kollektiven, ungeteilten Sicherheit u.v.m. – all das spielt in der heutigen Debattenkultur keine Rolle mehr. Sicherheit wird ausschließlich in militärischer Stärke gesucht.
Beim „Girls Day“, auf Stadtfesten und in der Schule versucht die Bundeswehr junge Menschen für den Dienst an der Waffe zu begeistern – dabei spricht niemand davon, wie die Realität aussehen wird. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen würde ihre Kinder jedenfalls nicht in den Krieg schicken.
Ich möchte mich dafür einsetzen, dass statt oder zumindest ergänzend zu den Bundeswehrbesuchen in kommunalen Bildungseinrichtungen die Errungenschaften ziviler Konfliktlösungsmöglichkeiten zwischen den Staaten gelehrt werden, wie sie u.a. in der UN-Charta von 1945, Kennedys „Strategy of Peace“, Willy Brandts Entspannungspolitik, der KSZE-Schlussakte von Helsinki von 1975, von der Palme-Kommission und der Europäische Sicherheitscharta der OSZE von 1999 dargelegt wurden. Die Zukunft junger Menschen sollte nicht im Schützengraben liegen.