Jakob Friedl will Regensburgs Politik transparenter machen und das Engagement der Zivilgesellschaft stärken. Kinder und Jugendliche sollen sicher unterwegs sein, Spielräume erhalten und aktiv in die Stadtentwicklung einbezogen werden. Sein Fokus liegt auf familienfreundlichen Freiräumen, Beteiligung und einem lebendigen Stadtquartier.
Deswegen möchte ich Regensburger Oberbürgermeister*in werden…
Jakob Friedl: Um eine bessere politische Kultur für unsere Stadt zu etablieren. Ich werde den mich für die Einführung eines wöchentlichen Kooperationsausschusses einsetzen, die Geschäftsordnung des Kollegialorgans Stadtrat und einige Verwaltungsabläufe reformieren, hin zu mehr Informationsfluss, Transparenz und Demokratie! Zudem will ich die Gestaltbarkeit der Stadt durch Engagement und Ehrenamt stärken, also Handlungsspielräume für die Zivilgesellschaft ausweiten.
Kinder und Jugendliche sind für mich ….
junge Menschen, die nicht mit Erwartungen überfrachtet werden sollten.
Regensburg erhielt 2022 die Auszeichnung „kinderfreundliche Kommune". Wo bzw. was ist an Regensburg aus Ihrer Sicht besonders kinderfreundlich? Und wie wollen Sie dafür sorgen, dass die Stadt diesen Titel auch in Zukunft behält?
Eine konsequente Bearbeitung und Umsetzung der Spielleitplanung für den Stadtnorden birgt vielfältiges stadtgestalterisches und soziales Potenzial, das nicht nur Kindern zu gute kommt. Im gesamten Stadtgebiet müssen Verkehrswege kindgerechter werden. Die Verpflegung in Kindertageseinrichtungen soll bio-regional werden. Die Perspektive von Kindern kann und muss immer mitgedacht werden. Ein Bauspielplatz oder zum Beispiel eine gestaltbare BMX-Bahn ist allerdings auch ein interessantes Betätigungsfeld für erwachsene Menschen – so ein Angebot sollte es in jedem Stadtteil geben.
Was ist geplant, um die Lebens- und Freizeitqualität für Kinder und Familien weiter zu steigern? Führen Sie uns gerne durch drei verschiedene Viertel. Sagen Sie uns für jeden dieser drei Stadtteile was Sie gerne umsetzen möchten, wann soll die Umsetzung geschehen und was kostet es?
Für den Stadtnorden ist vor kurzem eine Spielleitplanung vorgestellt worden. Hier werden viele sinnvolle Maßnahmen für konkrete Orte benannt. Zum Beispiel private Außenbereiche mit herunter gekommenen Spielplätzen qualifizieren, kindgerecht nutzbare Grünflächen verknüpfen, Angsträume und verkehrliche Barrieren entschärfen, Schulhöfe für die Freizeit öffnen, das Regenufer weiter zugänglich und durch das Ablagern von Ästen zum Spielen und Bauen noch interessanter machen usw.. Die Ergebnisse der Spielleitplanung sollten insbesondere im Stadtnorden mit den Analysen und Empfehlungen aus dem Armutsbericht zusammengeführt werden. Letztendlich geht es um die Gestaltbarkeit von Außenräumen, die Entschärfung sozialer Probleme und Verringerung von Konfliktpotenzial und nicht zuletzt um die Überwindung von Einsamkeit. Ich denke hier auch an alte Menschen. Im Kasernenviertel gilt es endlich die Hauptradroute vom Safferlingsteg zum Sportpark Ost zu aktivieren und die Fläche des geplanten Quartiersparks vor dem JUB Guericke für eine prozessorientierte Gestaltung freizugeben. Hier wäre neben dem JUB zwischen Gartenamt und Bauhof z.B. ein idealer Standort für einen weiteren Bauspielplatz und eine selbstgestaltbare BMX-Bahn. Die Zäune auf den städtischen Grundstücken zwischen JUB Guericke, Fahrradverkehrsgarten, Bezirkssportanlage, Sportpark Ost müssen umgehend entfernt werden, während das Areal zur Bahnlinie hin mit einem Zaun gesichert werden muss. Mit Radroute und Park soll ein Quartiersloop durch das Kasernenviertel mit naturnahem Freiraum und Spielmöglichkeiten geschaffen werden. Es ist wichtig, dass Kinder sich durch zusammenhängende Grünanlagen auf sicheren Radwegen durch die Stadt bewegen können! Die naturnahen und weiterführenden Radrouten zwischen Straubingerstraße und Auweg und in Verlängerung der Donaulände zur Schwabelweiser Brücke müssen endlich hergestellt werden! Das wäre schön für Kinder, Eltern und alle anderen umweltbewussten Menschen in der Region. Etwas Zukunftsmusik zum Rahmenplan Nord mit Europan Wettbewerb: Die weitere Öffentlichkeitsbeteiligung, Ideenfindung und schließlich auch die begleitende kulturelle Entwicklung des neuen Baugebiets sollte vom Rockerwald ausgehen, einem Biotop, das schon seit Jahrzehnten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen intensiv genutzt und gestaltet wird! Auf diesen informellen Strukturen sollte aufgebaut werden. Einfach mal hinradeln und ansehen!
Nur wenige gastronomische Angebote in Regensburg sind familienfreundlich. Es gibt kaum mehr Familiencafés mit Spielbereichen für Kinder, Räume ganz ohne Konsumzwang sind noch seltener und bei schlechtem Wetter bleibt wenig Angebot übrig.
Wenn Sie an einem Regentag mit Ihrem Kind in Regensburg unterwegs wären, wo würden Sie hingehen? Welche konkreten städtischen Anreize (z. B. Mietzuschüsse, Zwischennutzung, schnellere Genehmigungen) wollen Sie einführen, um solche Orte zu fördern?
Ich würde in den rein durch ehrenamtliches Engagement getragenen KfE*Kaufladen für Erwachsene im Vorgartenamt in der Guerickestraße 71 a reinschauen. Hier werden alle nett empfangen, unterhalten und kostenfrei mit Speis und Trank verwöhnt. Außerdem gibt es Möglichkeiten mitzuhelfen, sowie Werkzeug, Farben, Stifte und Malgrund. Der KfE* hat meist täglich geöffnet und ist für Menschen jeden Alters interessant. Der KfE* kostet fast nichts und ist dabei sensationell effektiv. Die Entstehung solcher selbstorganisierter Kultur- & Stadtgestaltungsprojekte muss in Zukunft besser und nachhaltiger unterstützt werden. Dazu muss nur die Nutzung leerstehender Räume und belangloser Grünflächen im Wohnumfeld zugelassen werden. Mehr Handlungsspielräume für Bürgerengagement und Vertrauen in zivilgesellschaftliche Kompetenz täte Regensburg gut. Keine großen Kosten aber ein großer demokratischer Effekt für den sozialen Zusammenhalt!
Wie kann die Stadt bezahlbaren Wohnraum für Familien schaffen? Familien mit drei oder mehr Kindern finden kaum bezahlbare Wohnungen.
Wie viele familiengerechte Wohnungen (4+ Zimmer) sollen unter Ihrer Führung pro Jahr entstehen?
Was tun Sie, damit große Familien nicht aus Regensburg wegziehen müssen?
Am wirkungsvollsten und einfachsten ist es, die Stadtbau besser auszustatten und damit entsprechende Wohnungen zu schaffen. Da die Stadt kein Geld hat, muss sie sich welches leihen. Mehr Wohnraumsuffizienz durch eine Mitwohnzentrale. Ungenutzter Wohnraum, z.B. in Einfamilienhäusern, muss besser genutzt werden. Hier kann durch Einliegerwohnungen oder Anbauten nachverdichtet werden, während dabei gleichzeitig entsiegelt und naturnäher begrünt wird. Durch „Flurbereinigungen“ über durchlässigere Grundstücksgrenzen hinweg können Gemeinschaftsgebäude geschaffen werden und ein Umfeld, das sowohl für die Eingesessenen interessanter ist, als auch Platz für neu hinzukommende jüngere Menschen oder Familien bietet. Die Stadt könnte die nachhaltige Schaffung von sozialem Wohnraum in Einfamilienhaussiedlungen fördern. Schaffung einer städtischen Anlauf- und Koordinierungsstelle für gemeinschaftliches Wohnen und genossenschaftliches Bauen! Um eine effektivere Bodenpolitik möglich zu machen: Genossenschaften besser unterstützen! Vorkaufsrechte ziehen! Sinnvolle Regeln für das Bauen durchsetzen! Dazu die Geschäftsordnung des Stadtrats demokratisieren und Informationsfluss gewährleisten! Bisher läuft der Ausverkauf der Stadt leider vollkommen am Stadtrat vorbei – Vorkaufsrechte und auch Hilfsanfragen z.B. von Genossenschaften müssen nicht zur Kenntnis gebracht werden. Auch über die Nichtanwendung der Leerstandsatzung muss der Stadtrat nicht informiert werden. Beim sog. Postblock wurde z.B. jede Information des Stadtrats unterlassen. Wo keine Information da keine fundierte Diskussion und auch keine guten Lösungen für die Allgemeinheit. Bedeutet: Ausverkauf der Stadt!
Elterntaxis, fehlende Radwege, Stress im Straßenverkehr – ein Dauerthema. Nennen Sie drei konkrete Maßnahmen zur Verkehrssicherheit für Kinder, die Sie bis 2030 gerne umsetzen möchten. (z.B. Tempo 30 vor Schule X, Schulstraße an Straße Y, geschützter Radweg Z)
Wie viel Prozent des Verkehrsbudgets fließen in Rad- und Fußverkehr?
Wie schaffen Sie mehr Platz für Kinderwägen im ÖPNV?
Radwege an Bahnlinie und Donau und zusammenhängende Grünanlagen, Spielleitplanung Nord etc.. Ganz viel dazu findet man auch schon in der Antwort auf Frage 4. Darüber hinaus gilt es entlang der Schulwege konsequent Tempo 30 durchzusetzen, z.B. in der Adolf-Schmetzer-Straße. Die Situation im Minoritenweg, wo sich zwei Schulen befinden, ist einfach nur gefährlich und muss mit weiteren Maßnahmen zum Schutz der Kinder vor dem motorisierten Individualverkehr (MIV) entschärft werden. Elterntaxis sind besonders gefährlich. Sichere Anlandezonen sollen deshalb in viel größerem Abstand zu den Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen in dafür geeigneten Situationen geschaffen werden. In der unmittelbaren Umgebung der Einrichtungen soll der MIV so weit wie möglich ganz verbannt werden. Ein paar hundert Meter zu laufen ist nicht nur zumutbar, sondern auch gesund – allein schon zum Wachwerden vor einem langen Schultag. Beim zukünftigen Hort im Burgweinting am Kirchweg sollen absurderweise 13 zusätzliche, baurechtlich nicht benötigte Parkplätze für die Kinderanlieferung und -abholung geschaffen werden. Die Elterntaxis müssten rückwärts ausparken und belasten die sicheren Wege in der Dorfmitte mit Verkehr. Solche Fehlinvestitionen sind abzulehnen!
Was möchten Sie für unsere Schulen tun?
Welche Schulen haben aus Ihrer Sicht den dringendsten Sanierungsbedarf – und bis wann wollen Sie diese sanieren? Wie setzen Sie den Ausbau der Ganztagsbetreuung und den kommenden Rechtsanspruch bis 2029 um? Welche Maßnahmen planen Sie für sichere Schulwege, z. B. an der Kreuzschule?
Zum Glück hat Regensburg mit Dr. Sabine Kellner-Mayrhofer eine hervorragende Bildungsreferentin, die als Sonderpädagogin und ehemalige Schulleiterin auch die alltägliche Praxis kennt. Auf ihre Kompetenz und Weitsicht baue ich auch in der kommenden Legislaturperiode! Sichere Schulwege? Siehe Punkt 7.
Für Jugendliche gibt es nur wenige Angebote in Regensburg, um sich im öffentlichen Raum treffen zu können. Sie brauchen Plätze, ohne dass diese sofort nach Lärmbeschwerden geschlossen werden. Aktuell ist das Freizeitgelände beim JUZ Arena und der Bauspielplatz gefährdet.
Welche neuen Treffpunkte für Jugendliche planen Sie – und wo konkret?
Wie wollen Sie Konflikte zwischen Anwohner:innen und Jugendlichen moderieren?
Wie schützen Sie bestehende Jugend- und Freizeiteinrichtungen wie den Bauspielplatz dauerhaft?
Die Gefährdung des Bauspielplatzes und der BMX-Bahn hat einerseits damit zu tun, dass das Entwicklungspotenzial des öffentlichen Freiraums rund um das JUZ Arena nicht ausreichend im B-Plan berücksichtigt wurde und zum anderen damit, dass nicht wie vorgesehen Studentenappartements sondern private Eigentumswohnungen errichtet wurden. Um solche Fehler zu vermeiden muss in Zukunft das Amt für kommunale Jugendarbeit bei der Aufstellung von B-Plänen viel stärker einbezogen werden. Kulturelle und soziale Belange müssen im Rahmen der Bauleitplanung und bei Baugenehmigungen viel stärker gewichtet, konkretisiert und gesichert werden. Letztendlich hat beim Bauspielplatz der private Wohnungsmarkt über die Absichten des B-Plans gesiegt. Es steht zu befürchten, dass auch beim neuen Baugebiet neben dem JUZ Arena die Nutzung der Freiräume und Außenanlagen nicht ausreichend berücksichtigt wird – die bestehenden ungeeigneten Regelungen würden damit weiter zementiert.
Die Kita-Kosten steigen jährlich. Wir als Träger von Kitas kämpfen mit den stetig steigenden Kosten. Welche Unterstützung ist geplant?
Städtischer Zuschuss.
Familienarmut & soziale Unterstützung: Wie wollen Sie Kinder aus einkommensschwachen Familien besser unterstützen? Welche Maßnahmen planen Sie, um Teilhabe unabhängig vom Geldbeutel zu ermöglichen?
Beratungsangebote an Schulen und Kindergärten noch besser ausbauen. Jugendsozialarbeit an Schulen auch an weiterführenden Schulen, wie der FOS/BOS. Stiftungen bekannter machen und den Fokus deutlicher auf einkommensschwächere Schüler*innen setzen – bei der Exzellenzförderung abschichten. Kostenloses Schulfrühstück. Der nach Corona kurzzeitig eingeführte Kulturpass für junge Menschen war eine schöne Idee. Die Stadt könnte hier über ein ähnliches Angebot nachdenken.
Was möchten Sie den Familien in Regensburg noch sagen?
Haltet durch! Und haltet zusammen!